Ein Sprichwort sagt: „Wenn du wissen willst, wohin du gehst, mußt du wissen, wo du herkommst.“ Wie wahr ist doch dieser Spruch, wenn wir ihn im Lichte der Christlichen Wissenschaft prüfen! Christus Jesus sagte (Joh. 16:28): „Ich bin vom Vater ausgegangen und gekommen in die Welt; wiederum verlasse ich die Welt und gehe zum Vater.“ Der Meister, der sich hier auf seine geistige Selbstheit, den Christus, die göttliche Idee der Sohnschaft, bezog, wies uns allen den Weg der Erlösung.
Die Christliche Wissenschaft offenbart uns den Vater und den Sohn in ihrer wahren Bedeutung und befähigt uns, unser geistiges Erbe als Kinder Gottes klar zu erkennen. Als Sprößling des Geistes, des einen Vaters, ist die Individualität des Menschen geistig und gut. Diese geistige Beziehung des Menschen zu Gott kann niemals materialisiert werden, sondern besteht in ewiger Verbundenheit mit Gott, dem Vater-Gemüt.
Trotz des Zeugnisses der körperlichen Sinne hinsichtlich eines materiellen Universums, in dem Geburt, Wachstum, Reife und Verfall sich Gesetzmäßigkeit anmaßen, kann doch die ewige geistige Wirklichkeit nicht angetastet werden. Die Illusion eines endlichen, von der Materie abhängigen Lebens ist nichts als eine falsche Vorstellung. Diese falsche Vorstellung vom Leben kann durch das Verständnis der Wahrheit berichtigt werden; und da sie ein falscher Anspruch ist, kann sie ausgelöscht werden, um so der Wirklichkeit Platz zu machen. In dem Reich des Geistes gibt es keine hemmenden materiellen Voraussetzungen für die Entfaltung des Menschen. Die Individualität des Menschen, die geistig ist und nicht materiell, spiegelt die Eigenschaften Gottes, des Vater-Gemütes, wider; und die Beziehung des Menschen zu Gott, seinem Ursprung, bleibt ununterbrochen.
Der materielle Sinn jedoch behauptet beständig das Gegenteil. Die immer wiederkehrenden Fragen: Woher bin ich gekommen? Was sind meine Lebensaussichten? Welche Möglichkeiten stehen mir offen? Wie und wohin werde ich gehen? — bedeuten, daß zwei einander entgegengesetzte Möglichkeiten in Betracht gezogen werden. Ist nicht ein Zustand der Ungewißheit die erregende Ursache vieler Leiden?
Mit welcher Zuversicht können wir doch in der Christlichen Wissenschaft, unseren Standpunkt einnehmen und die von Jesus geäußerte Wahrheit geltend machen: „Ich bin vom Vater ausgegangen und gekommen in die Welt; wiederum verlasse ich die Welt und gehe zum Vater.“ Auf dieser Grundlage lösen sich alle Fragen, öffnet sich der Weg zum Ziel, zu dem Ziel, das auch der Ausgangspunkt ist. Wir erkennen, daß wir unsere Gotteskindschaft demonstrieren und damit unsere Bestimmung in dieser Welt erfüllen können. Genauso wie unser Meister Christus Jesus das Licht der Welt war, ist es unsere Aufgabe als Christliche Wissenschafter, die Dunkelheiten des Erdentraumes mit dem Licht der Wahrheit zu vertreiben.
Es ist ganz klar, daß ein jedes Bemühen um Fortschritt vergeblich wäre, wenn wir nicht den richtigen Ausgangspunkt hätten. Mrs. Eddy schreibt in „Wissenschaft und Gesundheit“ (S. 91): „Laßt uns uns von der Annahme frei machen, daß der Mensch von Gott getrennt ist, und laßt uns nur dem göttlichen Prinzip gehorchen, das Leben und Liebe ist. Dies ist der große Ausgangspunkt für jedes wahre geistige Wachstum.“ Da unsere Führerin andeutet, daß der Gehorsam gegen das Leben und die Liebe den Ausgangspunkt bildet, ist es also notwendig, sich ein Verständnis von dem anzueignen, was das Leben und die Liebe ausmacht. Je mehr wir der materiellen Scheinwelt mit allen ihren Ansprüchen eines von Gott getrennten Lebens mit dem wissenschaftlichen Bewußtsein unserer geistigen Gotteskindschaft entgegentreten, desto klarer wird unser Weg und unsere Aufgabe offenbar werden. Ebensowenig wie eine Zahl in der Mathematik jemals ihren Zweck und ihre Unentbehrlichkeit einbüßt, kann der individuelle Mensch seinen ewigen Wert in der Schöpfung als einem zur Vollständigkeit notwendigen Teil des Ganzen verlieren. Der Plan Gottes, der von Ewigkeit her besteht, bestimmt unseren Lebenslauf und schließt ihn in sich.
Alle Mittel und Wege zur Entfaltung gehen von Gott aus, denn Er ist die unendliche Quelle alles Guten, allen Seins. Gott hat nicht zwei Hypothesen für Seine Schöpfung, denn Er „ist ein einiger Herr“ (5. Mose 6:4), Wahrheit, Liebe, das Gute. „Liebe wird niemals Lieblichkeit aus den Augen verlieren“, sagt unsere Führerin in „.Wissenschaft und Gesundheit“ (S. 248). Die göttliche Intelligenz kann nie getrennt werden von dem, was sie erschaffen hat. Das göttliche Leben kann zu keiner Zeit und an keinem Ort jemals abwesend oder untätig sein. So erkennen wir, daß es im Reiche Gottes keinen Ort und keine Zeit gibt, wo Seine Kinder der Liebe beraubt und der Unwissenheit, der Untätigkeit oder der Begrenzung preisgegeben wären. Wenn wir diese Wahrheiten erkennen, können wir mutig die alten Windeln sterblicher Erziehung ablegen, die uns an die Materie binden wollen, und in dem Maße unseres Verständnisses die sterblichen Überlieferungen hinter uns lassen.
Paulus fragte (Gal. 5:7): „Wer hat euch aufgehalten, der Wahrheit nicht zu gehorchen?“ Können die Zweifel und Befürchtungen der uns umgebenden Personen unseren Weg zum Vater aufhalten? Können die Suggestionen von persönlicher Verantwortung für Familie, Geschäft oder Besitz unsere besten Absichten vereiteln? Nein! Wir müssen verstehen, daß der Mensch als Bild und Gleichnis Gottes kein Selbstschöpfer ist noch von einem Sterblichen abstammt. Alles, was er sein eigen nennt, kommt von dem einen Vater-Mutter Gott. Es ist daher nicht unser persönliches Verantwortungsgefühl, was unsere Lieben, unser Heim und unser Geschäft erhält, sondern Gott, der ihr Erhalter ist.
Wir müssen auch verstehen lernen, daß die Materie uns keinen Zustand des Ungehorsams gegen Gott auferlegen kann, sondern in dem Maße, wie wir im geistigen Verständnis wachsen, unterwirft sich die Materie und wird unser Diener. „Wir wissen aber, daß denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen“ (Rom. 8:28). Daher wird der Mensch, der seinen Platz und seine Aufgabe in seines „Vaters Haus“ durch das Verständnis seiner geistigen Individualität als Sprößling Gottes sucht, imstande sein, seine Probleme zu lösen; und er wird eine Antwort auf seine Fragen finden. Er wird finden, daß er allen seinen Verpflichtungen nachkommen kann, denn als gehorsamer Diener der Wahrheit steht er und alles, was ihn angeht, unter der gütigen Regierung Gottes, die uns alles gibt, dessen wir bedürfen.
Alle rechten Entscheidungen, die wir zu treffen haben, sind im göttlichen Gemüt schon gefallen. In unserem Gebet, den Weg immer klarer zu erkennen, können menschliche Ansichten und Methoden kein Mitbestimmungsrecht haben. Das rückhaltlose Hinwenden zur Wahrheit und der ehrliche Wunsch, persönliche Interessen und Neigungen zu opfern, soweit diese hindernd dem Fortschritt entgegenstehen, muß die Voraussetzung sein für die Demonstration wirklichen Fortschritts.
Weder vergangene Versäumnisse, Fehler noch Mißerfolge können uns den Weg versperren, wenn wir willens sind, vorbehaltlos die Wahrheit zu unserer Richtschnur zu machen. Mrs. Eddy sagt in ihrem Werk „Miscellany“ (S. 232): „Der rechte Weg gewinnt das Wegerecht, ja, den Weg der Wahrheit und Liebe, wodurch alle unsere Schulden getilgt werden, die Menschheit gesegnet und Gott verherrlicht wird.“
Wer weder in die Vergangenheit zurückblickt, noch mit seinen Gedanken in die Zukunft vorauseilt, sondern das Jetzt ergreift und heute den Schritt vorwärts tut, der getan werden muß, ist derjenige, der am schnellsten dem Ziel des Gehorsams entgegenstrebt. Für den zeitlosen, immergegenwärtigen Vater-Mutter Gott gibt es keine Vergangenheit und keine Zukunft; jetzt ist die Ewigkeit. Jetzt sind wir an dem Ort und dem Zeitpunkt, wo wir uns den vollkommenen Vater als unseren Ursprung und uns selbst als Seine vollkommenen, gehorsamen Kinder vergegenwärtigen können. Jetzt, in diesem Augenblick, können wir die Welt — das materielle Denken — verlassen und zum Vater gehen; denn unser wahres Selbst war immer, und ist immer noch, eins mit dem Vater.
