Aus welchem Grunde können die Menschen im allgemeinen nicht vertrauensvoller beten: „Dein Wille geschehe“ (Matth. 6:10)? Wohl in erster Linie deshalb, weil Gott für sie etwas Fernes, Unbekanntes und Geheimnisvolles ist; jemand, zu dem man vielleicht hin und wieder betet, zu dem man jedoch kein Vertrauen hat.
Begreiflicherweise kann man zu jemandem, den man nicht kennt, kein Vertrauen haben. Die Lehren der Christlichen Wissenschaft helfen diesem Mangel an Kenntnis von Gott ab. In „Wissenschaft und Gesundheit“ gibt uns Mrs. Eddy sieben Synonyme für Gott — Wahrheit, Leben, Liebe, Geist, Prinzip, Seele, Gemüt —, Synonyme, die es uns ermöglichen, Ihn zu kennen.
Die geistige Auslegung des Gebets des Herrn, die uns Mrs. Eddy auf den Seiten 16 und 17 in demselben Buch gibt, hilft uns, dieses Gebet in seiner eigentlichen Bedeutung leichter zu erfassen. „Dein Wille geschehe wie im Himmel, also auch auf Erden“ erläutert sie wie folgt: „Befähige uns zu wissen, daß Gott — wie im Himmel, also auch auf Erden — allmächtig, allerhaben ist.“
Die Propheten des Alten Testaments konnten mit Gott wie mit einem Freunde reden. Christus Jesus sagte von sich, daß er eins mit dem Vater wäre, und Mrs. Eddy folgte dem Vorbild des Meisters sehr nahe, und daher war auch sie Gott sehr nahe.
Heute ist es allen Menschen durch das Studium der Christlichen Wissenschaft möglich, mit Gott zu sprechen, auf Seine Stimme zu hören, indem sie sich im Gebet mit Gott, dem allwissenden, allmächtigen, alliebenden Vater-Mutter, vereinen. Dann ist es ihnen auch möglich, den Willen Gottes zu erkennen.
Wenn die Menschen den göttlichen Willen klar erkannt haben, was hindert sie dann daran, dem Gesetz Gottes gehorsam zu sein? Warum können sie nicht vertrauensvoll und zuversichtlich mit Jesus sagen (Luk. 22:42): „Nicht mein, sondern dein Wille geschehe“? Vielleicht ist es die Furcht, daß Gott den Menschen etwas schicken könnte, was ihnen nicht gefällt, oder von ihnen etwas verlangen könnte, auf das sie nicht vorbereitet sind oder was sie nicht tun möchten, die sie davon abhält, Gottes Willen zu tun. Was unserer Bereitwilligkeit, Gottes Willen wirken zu lassen, entgegensteht, ist immer der menschliche, persönliche Sinn oder das sterbliche Gemüt.
Mrs. Eddy definiert „Wille“ auf Seite 597 von „Wissenschaft und Gesundheit“ wie folgt: „Die treibende Kraft des Irrtums; sterbliche Annahme; tierische Kraft. Die Macht und Weisheit Gottes.“ Wir erkennen klar den grundlegenden Unterschied dieser zwei Darlegungen: hier die menschliche Annahme, dort die Weisheit Gottes.
Wie kann es uns da noch schwer fallen, zu entscheiden, ob wir unserem eigenen Willen zum Durchbruch verhelfen oder ob wir Gott wirken lassen sollen? Der menschliche Wille gaukelt uns vielleicht ein Ziel vor, das uns überaus erstrebenswert scheint. Aber wie können wir erkennen, ob das, was wir zu erlangen hoffen, uns auch wirklich zum Segen gereicht? Mrs. Eddy lehrt uns (ebd., S. 1): „Verlangen ist Gebet; und kein Verlust kann uns daraus erwachsen, daß wir Gott unsere Wünsche anheimstellen, damit sie gemodelt und geläutert werden möchten, ehe sie in Worten und Taten Gestalt annehmen.“
Das Wissen, daß Gottes Wille den Menschen stets segnet, erfüllt uns mit tiefer Dankbarkeit. Was für uns gut und segensreich ist, muß auch für unsere Mitmenschen zum Segen werden, sonst ist die Lösung kein gottgewolltes Resultat. Paulus schrieb (Röm. 12:2): „Stellet euch nicht dieser Welt gleich, sondern verändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, auf daß ihr prüfen möget, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.“
Die Verfasserin und ihr Gatte sahen sich einmal gezwungen, ihren menschlichen Willen dem göttlichen unterzuordnen. Ihre persönlichen Wünsche lagen klar auf der Hand; aber wie konnten sie wissen, ob deren Erfüllung das Richtige war? Sie vertrauten beide vollkommen der göttlichen Führung, und durch das tägliche Gebet und Studium der Lehren der Christlichen Wissenschaft wußten sie sich sicher in Gottes Hand.
Nie trat der Wunsch in den Vordergrund, daß das menschliche Element den Sieg davontragen möchte. Sie hielten sich stets treu und dankbar an die Wahrheit des Verses (Röm. 8:28): „Wir wissen aber, daß denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen.“
Freudig ja sagen zu etwas, was mit dem menschlichen Wunsch nicht übereinstimmt, was aber unfehlbar als göttlicher Wille erkannt wird, war ein erhebendes, tief ergreifendes Erlebnis. Gerechtigkeit siegte über Ungerechtigkeit; scheinbare Demütigung wirkte sich als Schutz aus und brachte großen geistigen Fortschritt mit sich.
Der absolute Glaube, daß Gottes Wille vollkommen ist, versetzt die Christlichen Wissenschafter in die Lage, sich auf Seine Führung zu verlassen. Die Bibel sagt (Spr. 3:5, 6): „Verlaß dich auf den Herrn von ganzem Herzen und verlaß dich nicht auf deinen Verstand; sondern gedenke an ihn in allen deinen Wegen, so wird er dich recht führen.“
