„Gott ist Liebe“, verkündet der Apostel Johannes in seinem ersten Brief (4:16), und kein Christ zweifelt daran, daß unser himmlischer Vater uns in der Tat liebt.
Im Lehrbuch „Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift“ von Mary Baker Eddy lesen wir in der geistigen Erklärung des Gebets des Herrn (S. 17): „Und Liebe spiegelt sich in Liebe wider.“ So erfüllen wir freudig das Gebot, das Christus Jesus als das wichtigste bezeichnete (Matth. 22:37): „Du sollst lieben Gott, deinen Herrn, von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüte.“
Als ernste Anhänger der Christlichen Wissenschaft hegen wir nicht nur ein vages, unbestimmtes Gefühl über Gott, sondern wir werden uns unserer bestimmten Beziehung zum Höchsten Wesen bewußt, und wir wollen klar erkennen, warum wir Gott eigentlich lieben. Als Christliche Wissenschafter müssen wir in bezug auf unsere Gefühle und Neigungen wach sein. Unsere Liebe zu Gott muß trotz irgendwelcher Schwierigkeiten in Stimmungen und Zeit beständig sein, wenn wir ein tieferes Verständnis von der Gegenwart Gottes gewinnen wollen.
Anfänglich mögen wir uns wohl damit begnügen, Gott nur als unseren Versorger zu lieben, als den Quell, aus dem uns alles Gute zuströmt, oder vielleicht nur als unseren Schöpfer, ohne den wir nicht existieren könnten. Aber es ist viel zufriedenstellender, den erhabenen Begriff von Ihm als Prinzip, als dem Alpha und Omega des Seins, als dem Alles-in-allem, zu erkennen.
Das alttestamentliche Bild vom Allerhöchsten als dem uneingeschränkten Herrscher, den man durch untertänige Anbetung beeinflussen möchte, könnte in unserer Liebe kein ausschlaggebender Faktor sein. Es reicht nicht aus, Gott nur als Beschützer vor dem vermeintlichen Bösen zu würdigen und zu lieben oder Ihm nur als einem ästhetisch schönen und allharmonischen Wesen zu huldigen. Wir müssen noch höhere Betrachtungen finden, die den Denkenden erleuchten.
Man kann sich nicht zwingen, Gott zu lieben. Die weltlich Gesinnten sind so sehr an materialistische Vorurteile und Ängste gebunden, daß sie sich der Gottheit nicht nähern können. Um zur wahren Ansicht zu kommen, müssen wir zunächst die Frage beantworten: „Worin besteht eigentlich unsere Liebe zu Gott?“
Die menschliche Liebe wird sehr mißverstanden; kein anderes Wort hat für so viele Menschen so viele Bedeutungen. Mrs. Eddy gibt die eindeutige Antwort. Das Wort Liebe ist eines der sieben Synonyme für Gott; und diese Offenbarung steht in Übereinstimmung mit den Lehren des Neuen Testaments. Im Lehrbuch heißt es (S. 465): „Gott ist unkörperliches, göttliches, allerhabenes, unendliches Gemüt, Geist, Seele, Prinzip, Leben, Wahrheit und Liebe.“ Man kann von der Liebe der Liebe sprechen, von der Liebe der Seele, der Liebe des Gemüts usw. Während Liebe ein Attribut Gottes ist, ist die göttliche Liebe der Allmächtige selbst. Rein wie die Wahrheit, geht unsere Liebe zu Gott von dem Prinzip aus und beschwingt erhabene Ideen und hohe Gedanken. Liebe ist der Ansporn für alle rechte Tätigkeit, für alles Geschehen im göttlichen Reich.
Da Gott Liebt ist und den Menschen zu Seinem Bild und Gleichnis erschafft, können die Menschen in Wirklichkeit keine eigene Liebe pflegen und hegen, sondern müssen Gott als Liebe im täglichen Tun und Handeln widerspiegeln. Aus diesem Grunde muß das menschliche Bewußtsein danach streben, selbstlos zu werden, sein sterbliches „Ich“ zu leugnen. Wer in den Fußtapfen des Meisters vorwärtsstrebt und einen Liebesdienst ausführt, wie jenen des barmherzigen Samariters, zeugt dadurch für die Immergegenwart der Liebe.
Dankbarkeit für empfangene Segnungen und Gehorsam gegen die göttliche Führung sind ein Ausdruck der Liebe zu Gott, die unser Leben mit Erleuchtung krönt. „Die ihr den Herrn liebet, hasset das Arge! ... Ihr Gerechten, freuet euch des Herrn und danket ihm und preiset seine Heiligkeit!“ rief der Psalmist aus (Ps. 97:10–12).
Wie ein Lichtstrahl die Lichtquelle wahrnehmbar macht, selbst aber nicht der Ursprung des Lichtes ist, so bringt der Mensch Liebe, Gott, zum Ausdruck, ohne selbst der Ursprung der Liebe zu sein. Obgleich Jesus vollkommene Güte widerspiegelte, sagte er (Luk. 18:19): „Was heißest du mich gut? Niemand ist gut als Gott allein.“
Dankerfüllten Herzens beantworten sich die Christlichen Wissenschafter die Frage: „Warum lieben wir Gott?“ mit den schlichten Worten des Johannes (1. Joh. 4:19): „Lasset uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt“; und sie befleißigen sich wahrlich, der Forderung zu genügen, Gott als Liebe widerzuspiegeln.
