Wir hören sehr viel über Leibesübungen und darüber, daß sie im Zusammenhang mit Gesundheit zu empfehlen seien. Der Christliche Wissenschafter weiß, daß Gesundheit kein Zustand der Materie ist und Leibesübungen daher für die Gesundheit nicht erforderlich sind. Es ist nichts dagegen einzuwenden, daß sich jemand körperlich betätigt, wenn er aber glaubt, daß ihm dies zu besserer Gesundheit verhelfe, macht er sich ebenso des materiellen Denkens und Handelns schuldig, als wenn er seiner Gesundheit wegen regelmäßig Arzneien einnähme.
Die Anbetung des menschlichen Körpers nimmt vielerlei Formen an. Götzendienst ist noch gang und gäbe. Durch sportliche Betätigung Herrschaft über den Körper zu gewinnen mag einem rechten Beweggrund entspringen. Begrenzungen zu überwinden stimmt immer mit Fortschritt überein. Der Beweggrund aber bestimmt die Medizin, und der Beweggrund entscheidet, ob wir materielle Methoden anwenden oder nicht, oder ob wir geistige Ziele zu erreichen suchen.
Übung hat eine höhere Bedeutung und Anwendung. In seinem Studium der Lektionspredigt aus dem Vierteljahrsheft der Christlichen Wissenschaft erfreut sich der einzelne täglicher Übung. Er stärkt sein Denken mit geistigen Ideen. Er übt seinen Glauben und seinen geistigen Sinn. Er entwickelt seine Fähigkeit, im Wettkampf der menschlichen Erfahrung zu siegen. Unsere Ausdauer hängt von unseren geistigen Eigenschaften ab. Unsere Fähigkeit, die Probleme zu meistern und die Schwierigkeiten zu überwinden, entspricht der Entfaltung unseres geistigen Verständnisses.
In der Christlichen Wissenschaft lernen wir, daß Gott unendlicher Geist ist und daß der Mensch, zu Gottes Bild und Gleichnis geschaffen, rein geistig ist. Seine Tätigkeit ist geistig. Sie besteht darin, daß er das Wesen und die Eigenschaften des göttlichen Gemüts widerspiegelt. Seine Gesundheit und sein Wohlergehen hängen völlig von seiner Beziehung zu Gott ab. Er ist niemals in irgendeiner Weise von der Materie oder materiellen Methoden abhängig.
Jesus sagte (Matth. 6:25): „Sorget nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr als die Speise und der Leib mehr als die Kleidung?“ Und man könnte in derselben Weise fortfahren und sagen: „Ist nicht die Gesundheit mehr als ein körperlicher Zustand?“
Gewiß ist es für die meisten Menschen natürlich, sich körperlich zu betätigen. Aber für den Christlichen Wissenschafter ist es nicht natürlich zu glauben, daß diese Betätigung für sein Wohlergehen erforderlich sei. Das sterbliche Gemüt möchte für zuviel oder zuwenig Betätigung Strafen auferlegen. Diese Annahmen müssen aus unserem Denken gründlich entfernt werden. Der Mensch ist geistig, und sterbliche Annahmen können ihm keine Bedingungen stellen.
Mrs. Eddy sagt in ihrem Buch „Wissenschaft und Gesundheit“ (S. 229): „Mit allgemeiner Zustimmung hat sich die sterbliche Annahme selbst zum Gesetz gemacht, um die Sterblichen an Krankheit, Sünde und Tod zu fesseln. Diese allgemein übliche Annahme wird fälschlicherweise materielles Gesetz genannt, und der Mensch, der dieses Gesetz aufrechterhält, irrt sich in Theorie und Praxis. Das sogenannte Gesetz des sterblichen Gemüts, das mutmaßlich und spekulativ ist, wird durch das Gesetz des unsterblichen Gemüts null und nichtig gemacht, und ein falsches Gesetz sollte man unter die Füße treten.“
Eine bemerkenswerte Heilung wird im dritten Kapitel der Apostelgeschichte berichtet. Petrus heilte einen Mann, der von Geburt an lahm gewesen war. Offenbar hatte der Mann nicht laufen können, denn er war täglich zur Tür des Tempels getragen worden, wo er um Almosen bettelte. Petrus wandte sich ihm zu und sagte (Vers 6): „Im Namen Jesu Christi von Nazareth stehe auf und wandle!“ Der Bericht fährt fort: „Und griff ihn bei der rechten Hand und richtete ihn auf. Alsbald standen seine Füße und Knöchel fest, und er sprang auf, konnte gehen und stehen und ging mit ihnen in den Tempel, wandelte und sprang und lobte Gott.“
Diese Heilung demonstrierte Herrschaft über Begrenzung. Es gab keine Genesungszeit, keine langwierigen Muskelübungen. Die Regierung des göttlichen Gemüts hob die sogenannten Gesetze des sterblichen Gemüts auf, und der Mensch war befreit.
Dem zu Gottes Bild und Gleichnis geschaffenen Menschen sind gewisse Privilegien gegeben. Ihm ist Herrschaft über die ganze Erde gegeben. Wer dies versteht, kann die Macht der Wahrheit über die Annahme, daß die Materie Substanz sei und der Menschheit Bedingungen stellen könne, demonstrieren. Jesus bewies des Menschen Herrschaft, indem er Sünde, Krankheit und Tod überwand. Dies ist der Wille Gottes, und wir sollten von unseren geistigen Vorrechten Gebrauch machen.
Wenn wir an die unermeßlichen Bereiche der geistigen Schöpfung denken, die der Entdeckung offen stehen, an die Berge der Inspiration, die es zu erklimmen gilt, an die Umwandlung des Denkens, die erforderlich ist, dann können wir verstehen, wie wichtig es ist, der Forderung nach geistiger Übung nachzukommen. Wenn wir das Verlangen nach Umwandlung und Heilung in uns und anderen wahrnehmen, erkennen wir, daß es für uns keinen Mangel an Gelegenheit gibt, von unseren gottgegebenen Fähigkeiten Gebrauch zu machen.
Im Zusammenhang mit unserer Fähigkeit, Krankheit und Sünde zu überwinden, sagt unsere Führerin (Wissenschaft und Gesundheit, S. 393): „Mache von dieser gottgegebenen Vollmacht Gebrauch. Nimm Besitz von deinem Körper und regiere sein Empfinden und Tun. Erhebe dich in der Stärke des Geistes, um allem zu widerstehen, was dem Guten unähnlich ist. Gott hat den Menschen dazu fähig gemacht, und nichts kann die dem Menschen göttlich verliehene Fähigkeit und Kraft aufheben.“ Was für eine wichtige und anspornende Ermahnung! Hier ist das Tätigkeitsfeld, auf dem sich der Christliche Wissenschafter üben muß!
