Im Gebet des Herrn lehrt uns Christus Jesus zu beten: „Vergib uns unsere Schuld, wie wir vergeben unsern Schuldigern.“ Matth. 6:12; Der zweite Teil dieser Stelle, der als Voraussetzung oder Bedingung für die Erfüllung des ersten angesehen werden kann, ist anscheinend nicht immer leicht zu befolgen. Ja, manchen Leuten könnte er sogar unbequem sein. Der sterbliche Sinn sträubt sich manchmal zu vergeben.
Aber hat uns Jesus nicht immer wieder anempfohlen, den Nächsten zu lieben wie uns selbst? Wir können unseren Bruder nicht wirklich lieben, wenn wir versucht sind, ihm nicht zu vergeben. Und auf jeden Fall sollten wir ihm nicht nur mit Worten vergeben, sondern wir müssen ihm mit der Tat vergeben. Mrs. Eddy schreibt in ihrer geistigen Auslegung des Vaterunsers zu dieser Stelle: „Und Liebe spiegelt sich in Liebe wider.“ Wissenschaft und Gesundheit, S. 17;
Es gibt jedoch noch einen weniger offensichtlichen, dafür aber nicht minder wichtigen Aspekt. Wir lernen in der Christlichen Wissenschaft, zuerst unser eigenes Bewußtsein zu klären. Wir sollten dies so gut tun, daß wir in unseren Mitmenschen das sündlose, reine und vollkommene Kind Gottes sehen können. Wenn wir nun in unserem Nächsten den vollkommenen Menschen sehen, haben wir ihm dann überhaupt etwas zu vergeben? Sicherlich nicht. So kommt es schließlich darauf hinaus, daß wir im Grunde genommen in jedem Fall nur für uns selbst um Vergebung zu bitten haben und unser eigenes Bewußtsein von falschem Denken reinigen müssen.