Aus einem Interview Dekanin der Andover Newton Theological School in Massachusetts, USA, von D. C. Denison, erschienen im Boston Globe vom 21. Juli 1991
Interviewer: Sie haben kürzlich auf einer Konferenz über die Zukunft der etablierten Kirchen gesprochen. Was müssen diese Kirchen tun, um Mitglieder anzuziehen?
Elizabeth Nordbeck: Sie müssen Kirchen sein. Das ist alles, was sie zu tun haben.
Interviewer: Was meinen Sie damit?
Nordbeck: Ich nenne Ihnen ein Beispiel. In den sechziger und siebziger Jahren verlor meine Kirche in Washington, D.C., viele Mitglieder. Und was tat sie? Anstatt sich darüber im klaren zu sein, wofür „Kirche“ in dem überaus säkularisierten Milieu Washingtons stand, wurde sie zu einem Zentrum für interessante Aktivitäten. Sie organisierte zum Beispiel musikalische Veranstaltungen und hielt einen Kurs in Kunst ab. Der Gedanke dahinter war, die Leute in das Umfeld der Kirche zu bringen und sie dann zu binden. Aber woran zu binden?
Heute hält dieselbe Kirche Gebetsversammlungen und Bibelkurse ab und bietet neuen Mitgliedern Lehrgänge über die Grundlagen des Glaubens an. Mit anderen Worten, sie ist eine Kirche, keine Organisation für gesellschaftliche Aktivitäten. Das Besondere an der Kirche ist ja gerade, daß sie eine Botschaft über das Leben zu verkünden hat, die machtvoll und stark, bedeutsam und wahr ist. Wenn Kirchen aufhören, Kirchen zu sein, ziehen sie keine Mitglieder mehr an; ich glaube, die Leute erkennen das jetzt langsam. Damit also die etablierte Kirche ihre Identität wiederfinden kann, muß sie anfangen, wieder eine Kirche zu sein.
Cambridge, Massachusetts, USA
