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„Das richtige und das falsche Bild“

Aus der Januar 1994-Ausgabe des Herolds der Christlichen Wissenschaft


Kürzlich Besuchten Meine Frau, eine gute Freundin von uns und ich eine herrliche Flußlandschaft, die wir bis dahin nur aus Schilderungen und Berichten gekannt hatten. Uns war bewußt, wieviel sich dort in den letzten Jahrzehnten verändert hatte, aber unsere Bereitschaft, die Schönheiten der Umgebung zu entdecken, ließ uns in Freude und Dankbarkeit alles genießen.

Welch ein Kontrast war unsere heitere Stimmung zu dem enttäuscht und mißmutig blickenden Ehepaar, das nach einigen typischen Merkmalen der Gegend Ausschau hielt, die im Laufe der Jahre aber verschwunden waren. Auch unsere Hinweise, was es hier an Schönem und Malerischem zu sehen gab, schien die Enttäuschung nicht nehmen zu können. Diese kleine Episode macht deutlich, wie unterschiedliche Betrachtungsweisen eines Bildes, einer Landschaft, zu ganz verschiedenartigen Bewertungen führen können.

In Wissenschaft und Gesundheit verwendet Mary Baker Eddy häufig den Begriff Bild, um den Menschen zu beschreiben. Beispielsweise schreibt sie in der geistigen Auslegung über den Menschen: „Die zusammengesetzte Idee des unendlichen Geistes; das geistige Bild und Gleichnis Gottes; die volle Darstellung des Gemüts.“ Wissenschaft und Gesundheit, S. 591.

Dieser wahre, fehlerfreie, gottgeschaffene Ausdruck steht im krassen Gegensatz zu Adam, den sie unter anderem im gleichen Buch als „ein umgekehrtes Bild des Geistes“ Ebd., S. 580. bezeichnet. Das Bild von Adam ist ein Zerrbild, eine Täuschung, eine Fälschung, ohne Substanz, ohne Bestand. Der Mensch hingegen, dieses harmonische, gesunde, freudige Bild und Gleichnis Gottes, ist die vollständige, rechtschaffene Idee, vollkommene Ausdruck eines vollkommenen Schöpfers.

Welches dieser „Bilder“ wir für uns oder andere als wirklich akzeptieren, hängt weitgehend von unserem Standpunkt ab. Wenn wir uns auf das „Adam“-Bild verlassen haben, müssen wir nicht dabei bleiben. Wir können die korrekte Sichtweise über den Menschen täglich pflegen. Je vertrauter uns die Quelle alles Guten, die göttliche Liebe, ist, desto zuverlässiger erkennen wir auch deren Bild, die Widerspiegelung. Wir werden entdecken, daß des Menschen Gesundheit, Weisheit und Vollständigkeit substantiell und beständig sind, weil sie zu Liebe, dem göttlichen Gemüt, gehören, das der Mensch widerspiegelt.

Was zu Gott gehört, kann vom Menschen weder verloren noch abgelehnt werden. Der Schöpfer des Menschen muß Sein Bild weder korrigieren noch ergänzen, noch restaurieren, noch auffrischen. Es erstrahlt geistig in voller Schönheit, Freude und Kraft; es ist von Mängeln unberührt und zeitlos. Dieses Bild ist dazu da, gesehen zu werden, und es kann in der menschlichen Erfahrung mehr und mehr ans Licht gebracht werden. Wahre Individualität, die ihre göttliche Natur ausdrückt, existiert nicht, um in einer staubigen Ecke einer dunklen Kammer zu versauern. So würde beispielsweise kein Museumsdirektor sein wertvollstes Bild in der Asservatenkammer verstecken. Er würde ihm den schönsten, günstigsten Platz zuweisen, den er nur finden kann.

Es gibt keine wirkliche Macht, die uns in Dunkelheit halten kann, mag sie nun Kummer, Furcht, Krankheit, Sünde oder Hoffnungslosigkeit heißen. Die Christus-Wahrheit, dieser liebende, heilende, aufbauende Einfluß Gottes, führt uns zu unserem angestammten Platz, dorthin, wo uns Licht, ein befriedigendes Betätigungsfeld, ausgeglichene Beziehungen und Frieden erwarten.

Gottes Bild erstrahlt in Tatkraft, Intelligenz, Freude, Reinheit und Schönheit. Wir pflegen diese Eigenschaften, wenn wir sie betätigen. Wir pflegen Tatkraft beispielsweise, wenn wir bei neuen, sinnvollen Aufgaben öfter „ja” sagen, anstatt „möglichst ich nicht“. Wir pflegen Intelligenz, indem wir schnell und bereitwillig „Dein Wille geschehe” Mt 6:10. als Richtschnur für Entscheidungen nehmen. Und wir pflegen Freude, wenn uns alltägliche Begebenheiten nicht mehr ärgern oder belasten, sondern wenn sich unser Herz dem Neuen, Schönen und Erbaulichen öffnet. So beginnen wir, unserem Meister Christus Jesus zu folgen, der in der Bergpredigt verkündet: „Darum sollt ihr vollkommen sein, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist.“ Mt 5:48.

Was geschieht aber, wenn uns das Adambild wirklich erscheint, vielleicht in Verbindung mit jemandem, mit dem wir täglich zu tun haben? Mary Baker Eddy ermutigt uns, das Gute und Rechte zu entdecken. Sie schreibt: „Das Sein ist Heiligkeit, Harmonie und Unsterblichkeit. Es ist bereits bewiesen, daß eine Kenntnis hiervon, selbst in geringem Grade, die physische und moralische Norm der Sterblichen heben, die Langlebigkeit steigern und den Charakter läutern und veredeln wird. So wird der Fortschritt schließlich allen Irrtum zerstören und Unsterblichkeit ans Licht bringen.” Wissenschaft und Gesundheit, S. 492.

Wo immer wir sein mögen, wir können nach dem Bild und Gleichnis Gottes Ausschau halten, selbst wenn die Aussicht auf das Gute nicht vielversprechend erscheint. Wir haben keinen Grund, die sterbliche Fälschung des göttlichen Menschen zu akzeptieren. Wir ersetzen sie durch den wahren Begriff, der vom Gemüt geformt ist.

Fälschungen gewinnen auch dann keine Wirklichkeit, wenn geglaubt wird, sie hätten über längere Zeit bestanden. Das gefälschte Bild kann niemals wahr werden. Aussagen wie „Früher war ich aktiver, oder gesünder, oder ausgeglichener“ mögen wie Tatsachen klingen, aber sie suggerieren, daß aus einem Original eine schwache, verblassende Kopie werden könnte. Welche Groteske!

Original bleibt Original, und der aktive, starke, bewußte Ausdruck des göttlichen Prinzips, Liebe, dieser wahre, einzige Mensch, unterliegt keinen Schwankungen in seinem Wohlbefinden. Zu unterschiedlichen Zeiten mögen in unserem Leben manche Eigenschaften deutlicher hervortreten, während andere vielleicht in veränderter Form erscheinen, aber diese Entfaltung ist kein Abnehmen oder Nachlassen der Widerspiegelung dessen, was wir wirklich sind. Wenn uns bewußt ist, daß wir überall das wahre Bild der vollkommenen Schöpfung entdecken können, bleiben wir frei von Enttäuschungen, wenn sich Menschen oder Örtlichkeiten verändern. Wir wissen dann voller Freude, daß der Mensch immer das Bild und Gleichnis Gottes ist.

Er sagte aber zu ihnen dies Gleichnis und sprach:
Welcher Mensch ist unter euch,
der hundert Schafe hat und,
wenn er eins von ihnen verliert,
nicht die neunundneunzig in der Wüste läßt und
geht dem verlorenen nach, bis er’s findet?
Und wenn er’s gefunden hat,
so legt er sich’s auf die Schultern voller Freude.
Ich sage euch: So wird auch Freude im Himmel
sein über einen Sünder,
der Buße tut, mehr als über neunundneunzig Gerechte,
die der Buße nicht bedürfen.

Lukas 15:3–5, 7

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