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Bibelnotizen

FÜR DIE BIBELLEKTIONEN VOM Januar 1994

Aus der Januar 1994-Ausgabe des Herolds der Christlichen Wissenschaft


Jede Lektionspredigt, die im Vierteljahrsheft der Christlichen Wissenschaft — Bibellektionen veröffentlicht wird, bildet eine Einheit. Die Bibelzitate (nach der Lutherbibel, revidierte Ausgabe 1984) werden durch Stellen aus dem Lehrbuch der Christlichen Wissenschaft, Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift von Mary Baker Eddy, bestätigt und erklärt. Der Herold der Christlichen Wissenschaft veröffentlicht verschiedene Anmerkungen und Kommentare, um den Lesern die vielseitigen Möglichkeiten aufzuzeigen, wie sie selbst weiterforschen können.

2. Januar

Gott

Gott aber kann machen, daß alle Gnade unter euch reichlich sei, damit ihr in allen Dingen allezeit volle Genüge habt und noch reich seid zu jedem guten Werk; So werdet ihr reich sein in allen Dingen, zu geben in aller Einfalt, die durch uns wirkt Danksagung an Gott. (2. Kor 9:8, 11)

In diesen Versen erläutert uns Paulus, was es mit den hintergründigen Prinzipien des Gebens und der Freigebigkeit auf sich hat. Barclay bemerkt dazu: „Paulus betont, daß Gott uns sowohl die Mittel zum Geben als auch den rechten Geist hierfür verleihen kann. In Vers 8 spricht er von der reichlichen Gnade Gottes, die allem Genüge zu tun vermag. Er verwendet in diesem Zusammenhang das Wort autarkeia, ein Lieblingswort der Stoiker, das vor allem Unabhängigkeit bedeutet.“ Barclay schreibt Gott den Geist zu, aus dem heraus wir geben sollen. Er erwähnt dabei eine Begebenheit des schottischen Erzählers Robert Louis Stevenson: Als ihm eines Morgens der Boy außer der üblichen Tasse Tee auch ein Omelett brachte, bedankte sich Stevenson mit den Worten: „Deine Vorsorge ist großartig!“ Der Boy soll darauf geantwortet haben: „Nein, Herr, groß ist nur meine Liebe zu dir.“

Im Vers 11 finden wir in der LÜ den Rat, „in aller Einfalt“ zu geben. Während in der MeiÜ hier von „Aufrichtigkeit“ die Rede ist, verwendet die SchÜ den Begriff der „Gebefreudigkeit“. In der REÜ wird von „Freigebigkeit“ gesprochen, in der MÜ lautet der Vers wie folgt: „ ... so daß ihr mit allem reichlich ausgestattet werdet zur Erweisung jeder Mildtätigkeit, welche durch unsere Vermittlung die Danksagung (der Empfänger) gegen Gott bewirkt.“

Bei Barclay finden wir außerdem den Hinweis, daß sich rechtes Geben auf drei verschiedene Bereiche auswirkt: 1. Es wirkt sich auf andere aus (erleichtert ihre Not, stellt vielleicht den Glauben an unsere Mitmenschen wieder her, läßt uns Gott danken). 2. Es wirkt sich auf uns aus (Bürgschaft des christlichen Bekenntnisses, was im Falle der Korinther besonders wichtig war). 3. Es bewirkt etwas im Hinblick auf Gott (Dankgebete, die Gott verherrlichen; durch das, was wir tun, können sich Menschen Gott zuwenden).

9. Januar

Das Sakrament

Dient einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat, als die guten Haushalter der mancherlei Gnade Gottes. (1. Petr 4:10)

Einander zu dienen mag oft bedeuten, daß wir selbst uns zurückhalten, um anderen die Gelegenheit zu geben oder sie zu ermutigen, ihre Talente einzusetzen. Die GN hat hier den Dienst aneinander folgendermaßen gedeutet: „Fördert euch gegenseitig, jeder mit der Gabe, die Gott ihm geschenkt hat. Dann seid ihr gute Verwalter der reichen Gaben Gottes.“

Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet. (Apg 2:42)

Hier gibt uns die GN folgende Übersetzung: „Sie alle blieben ständig beisammen; sie ließen sich von den Aposteln unterweisen und teilten alles miteinander, feierten das Mahl des Herrn und beteten gemeinsam.“ Gemeint ist hier sicher nicht das Abendmahl als Ritus, sondern das „Brotbrechen“ als Austeilen, Erklären des Wortes Gottes.

Barclay zählt in diesem Zusammenhang folgende charakteristische Merkmale der ersten Gemeinde auf: „Eine lernende Gemeinde ... eine Gemeinschaft, die sich brüderlich verbunden fühlte ... eine betende Gemeinde ... eine Gemeinde, in der etwas geschah ... eine Gemeinde, die mit anderen teilte ... eine Gott lobende Gemeinde ... eine glückliche Gemeinde ... eine Gemeinde, deren Mitglieder auch andere Menschen einfach gern haben mußten.“

16. Januar

Leben

Und Jesus ging ringsum in alle Städte und Dörfer, lehrte in ihren Synagogen und predigte das Evangelium von dem Reich und heilte alle Krankheiten und alle Gebrechen. (Mt 9:35)

Es ist immer wieder erstaunlich, wie die schlichte Sprache der Bibel in einem einzigen Vers umfassende Informationen zu geben vermag, so daß der Leser mit wenigen Worten so viel über das Wirken Jesu erfährt. Die GN sagt uns noch etwas zu dem „Evangelium von dem Reich“: „Jesus zog durch alle Städte und Dörfer. Er lehrte in den Synagogen und verkündete die Gute Nachricht, daß Gott jetzt seine Herrschaft aufrichten und sein Werk vollenden werde. Er heilte alle Krankheiten und Leiden.“

Da kam einer von den Vorstehern der Synagoge, mit Namen Jairus. Und als er Jesus sah, fiel er ihm zu Füßen. (Mk 5:22)

In der WStB wird uns die Situation sehr lebendig vor Augen geführt: „Am Westufer des Sees, zu dem das Schiff zurückgekommen ist, wird Jesus schon von den Volksmassen erwartet. Aus der ihn umdrängenden Schar tritt der Synagogenvorsteher Jairus — ein in Kapernaum hochangesehener und sicher auch begüterter Mann — auf Jesus zu und bittet ihn kniefällig um Hilfe für seine todkranke Tochter.“ Man kann sich vorstellen, welch eine Selbstverleugnung und Liebe zu seinem Kind hinter dieser Geste in aller Öffentlichkeit stand!

Lamsa schildert, daß Orientalen als Geste höchster Unterwürfigkeit demjenigen zu Füßen fallen, dessen Hilfe sie erbitten. „Während sie ihm ihre Angelegenheit vortragen, wiederholen sie immer wieder:, Ich werfe mich zu deinen Füßen‘, was soviel sagen will wie:, Ich bin deiner Gnade ausgeliefert.‘ Sie beugen sich bis zum Boden, ergreifen die Füße des Gastes und fahren mit der Darstellung ihres Falles fort.“ Diese Geste eines Kniefalles wird außerdem in folgenden Bibelstellen erwähnt: Mt 17:14; 18:29; Lk 5:8, 12; 8:41.

23. Januar

Wahrheit

Weise mir, Herr, deinen Weg, daß ich wandle in deiner Wahrheit. (Ps 86:11)

Unter dem Begriff Wahrheit finden wir im Wahrig: „Das Wahre, wahrer, richtiger Sachverhalt, Übereinstimmung mit den Tatsachen; Tatsache“. Auch unter dem Begriff Wirklichkeit ist u. a. „Tatsachen“ aufgeführt.

Ich habe erwählt den Weg der Wahrheit. (Ps 119:30)

Der BKB beleuchtet den Begriff der Wahrheit von einem anderen und doch ähnlichen Gesichtspunkt. „Der Weg der Wahrheit (besser: der Treue) ist die verläßliche Lebensanweisung Gottes, nämlich sein Gesetz.“

30. Januar

Liebe

Denn auch wir waren früher unverständig, ungehorsam, gingen in die Irre, waren mancherlei Begierden und Gelüsten dienstbar und lebten in Bosheit und Neid, waren verhaßt und haßten uns untereinander. Als aber erschien die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes, unseres Heilandes, machte er uns selig — nicht um der Werke der Gerechtigkeit willen, die wir getan hatten, sondern nach seiner Barmherzigkeit — durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung im heiligen Geist. (Tit 3:3–5)

Hauss berichtet uns von Titus folgendes: „Titus, ein Grieche von hohem Ansehen in den Gemeinden, wird von Paulus als Heidenchrist auf das Apostelkonzil nach Jerusalem mitgebracht, später von ihm mit schwierigen Aufgaben betraut, zuletzt mit der Leitung der Christengemeinden in Kreta beauftragt. Er bekommt durch einen persönlichen Brief des Apostels Weisungen für die Leitungsaufgaben.“

Barclay bemerkt zu diesen Bibelversen, daß nur wenige Abschnitte des NT so knapp, aber umfassend ausdrücken, was Jesus Christus in den Menschen und für die Menschen getan hat. Er sagt weiter: „Jesus hat uns ein neues Verhältnis zu Gott ermöglicht. Ehe er in die Welt kam, standen die Menschen vor Gott zumeist als vor dem König, dem Richter und gewaltigen Herrscher, der sie mit Furcht erfüllte. Jesus ist in die Welt gekommen, um zu den Menschen von Gott, dem Vater, zu sprechen, der liebevoll die Arme ausstreckt nach uns. Er ist gekommen, um den Menschen zu zeigen, daß Gottes Liebe sie nicht losläßt.

Die Liebe und die Gnade Gottes kann der Mensch sich niemals durch eigene Verdienste erwerben; er kann sie nur vertrauensvoll empfangen...

Das Wunder des Gnadengeschehens geht auf zwei Eigenschaften Gottes zurück:

Wir verdanken es der Güte Gottes, jener Freundlichkeit (chrestotes), aus der ständige Bereitschaft spricht, alles zu schenken, was not tut. Vergebung sowohl als auch Wohltaten. Chrestotes ist allumfassende Güte, die sich nicht nur in warmen Gefühlen, sondern ebenso und jederzeit auch in großmütigem Handeln äußert.

Wir verdanken das Geschehnis der Gnade der Liebe Gottes zu den Menschen. Die Griechen hielten viel von der philantropia, der Menschenliebe.“

Auf die im Bibelvers erwähnte Wiedergeburt nimmt Barclay Bezug, indem er auf Eph 5:26 hinweist, wo es heißt, daß sich Jesus selbst für die Gemeinde gegeben habe, „auf daß er sie heilige, und hat sie gereinigt durch das Wasserbad im Wort“.

Abkürzungen

Barclay = William Barclay, Auslegung des Neuen Testaments
BKB = Brockhaus, Kommentar zur Bibel
GN = Gute Nachricht
Hauss = Friedrich Hauss, Biblische Gestalten
Lamsa = George M. Lamsa, Die Evangelien in aramäischer Sicht
= Luthers Bibelübersetzung
MeiÜ = Meisters Bibelübersetzung
= Menges Bibelübersetzung
REÜ = Revidierte Elberfelder Bibelübersetzung
SchÜ = Schlachters Bibelübersetzung
Wahrig = Wahrig, Deutsches Wörterbuch
WStB = Wuppertaler Studienbibel

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