Meine Frau Margie und ich lagen eines Abends auf den Knien. Nein, es war kein religiöses Erlebnis. Wir befanden uns zwischen Büschen auf einem Berghang, um unsere Reparatur an einer Zisterne in Augenschein zu nehmen. Die Zisterne sammelt Wasser, das unseren Rasen am Haus 800 Meter weiter unten speist.
Plötzlich stieß Margie mich leicht am Arm an. Ich schaute auf und folgte ihrem Blick zu einer großen Klapperschlange, die nur ein paar Handbreit von uns aufgeringelt und zum Angriff bereit war. Ich konnte kaum glauben, dass wir sie nicht gesehen hatten, als wir dort niederknieten. Ruhig und ganz langsam wichen wir zurück.
Die Klapperschlange hatte uns nichts angetan und nachdem wir kurz besprachen, was wir mit ihr machen sollten, beschlossen wir, sie ihres Weges ziehen zu lassen. Wir fühlten jedoch tiefe Dankbarkeit. Später kam mir etwas in den Sinn, was mir ein Mann gesagt hat, der lange Zeit in den Bergen zugebracht hatte: „Kämpf nicht gegen die Natur an. Sie behält immer die Oberhand. Lern mit ihr in Einklang zu leben."
Am nächsten Tag geriet ich dann unversehens in ein Hornissennest. Im Nu umschwärmten mich die Hornissen und ich versuchte ihnen zu entkommen. Doch ich konnte nicht laufen und gleichzeitig versuchen, sie abzuwehren. Sie hörten nicht auf, mich zu stechen.
Mitten in all dieser Aufregung kam wir zweierlei in den Sinn. Ich dachte an den friedlichen Ausgang unserer Begegnung mit der Schlange am Abend zuvor. Als Zweites erinnerte ich mich an den Rat, den mir der Mann aus den Bergen gegeben hatte. Er hatte von der Natur im landläufigen, materiellen Sinn gesprochen. Doch in diesem Augenblick dachte ich an die Natur im rein geistigen Sinn. Gottes Wirklichkeit des Guten, Seine Natur, erschien mir wahrhaft natürlich und wirklich.
Anstatt gegen die Natur anzukämpfen, fühlte ich mich eins mit dieser geistig natürlichen Wirklichkeit. Kaum eine Minute war seit meiner Begegnung mit den Hornissen vergangen und innerhalb einer weiteren Minute, als mir klar wurde, dass Geist und seine Harmonie und nicht die materielle Disharmonie die wahre Natur ausmachen, hörte der Schmerz von den Stichen einfach auf. Es war ein heiliger Augenblick, ein kurzer Einblick in die Allheit des Geistes als der Wirklichkeit.
An dieses Erlebnis denke ich viel zurück, denn es zeigt die einzigartige Beziehung zwischen einer körperlichen Heilung und einer göttlichen Sicht auf die Natur. Mary Baker Eddy schreibt, dass wir Harmonie erleben können, wenn wir einen Schimmer vom unendlichen Geist, von der ungeheuren Weite und Wirklichkeit der göttlichen Natur erlangen. Vor diesem Erlebnis hatte ich gedacht, dass ihre Erklärung etwas abstrakt ist und vielleicht sogar den Wundern der Natur nicht ganz gerecht wird. Jetzt wurde mir klar, dass Mrs. Eddy das Wesen unseres Universums nicht einfach außer Acht ließ, sondern uns auffordert, es in einem ganz anderen Licht zu sehen. Sie schreibt Folgendes: „Die zusammengesetzten Mineralien oder die gesamten Substanzen, die die Erde bilden, die Beziehungen, die die Elementarmassen zueinander haben, die Größen, Entfernungen und Umdrehungen der Himmelskörper haben keine wirkliche Bedeutung, wenn wir bedenken, dass sie alle der geistigen Tatsache durch die Übertragung des Menschen und des Universums zurück in den Geist Raum geben müssen. In dem Verhältnis, wie das geschieht, werden sich der Mensch und das Universum als harmonisch und ewig erweisen." Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift, S. 209.
Diese Erklärung mag intellektuell nicht leicht zu verstehen sein. Aber da ich ihre praktische Bedeutung erlebt habe, kann ich nur abschließend sagen, dass es schon recht angenehm war, als die Hornissenstiche plötzlich aufhörten zu schmerzen.
Jemand hat einmal Mrs. Eddy gegenüber eingewandt, sie behaupte indirekt, die Schönheit und Erhabenheit des Weltalls seien nichts. In ihrer Antwort mahnte sie, dass die Verwendung von Wörtern wie etwas und nichts zu Missverständnissen führen kann. Sie hatte nicht unterstellen wollen, dass die Natur nichts ist. Vielmehr hielt sie die Menschen angesichts alles Schönen im physischen Universum dazu an, sich die folgende Sicht zu eigen zu machen: „Ich liebe eure Verheißung. . ." Vermischte Schriften, S. 87.
Ich habe die in der Bibel enthaltenen Heilungsberichte immer überaus geschätzt. Aber ich messe auch der Tatsache große Bedeutung bei, wie oft die Bibel von dem Einfluss geistiger Kraft auf die Natur berichtet. Mose teilte das Rote Meer und schlug Wasser aus einem Felsen; die hungrigen Israeliten wurden mit Manna gespeist; Elia brachte Regen für das von einer Dürre heimgesuchte Land; den jungen Hebräern konnte das Feuer im Ofen nichts antun; für Hiskia ging der Schatten der Sonnenuhr zehn Striche zurück; Elisa bewirkte, dass eine in den Fluss gefallene eiserne Axt schwamm; Daniels Leben wurde in der Löwengrube nicht angetastet; Christus Jesus speiste die Menge, verwandelte das Wasser in Wein, stillte den Sturm und überquerte augenblicklich einen See; ein Schlangenbiss konnte Paulus nichts anhaben; ein Erdbeben befreite Paulus und Silas aus dem Gefängnis.
Dies sind nur einige wenige Beispiele dafür, wie eine geistige Sicht auf das Weltall und die Natur etwas veränderte, was von einem begrenzten materiellen Standpunkt aus natürlich und unüberwindlich erschien. Sehr viele Bibelgestalten besaßen die wunderbare Fähigkeit, eine Welt der Geistigkeit dort zu sehen, wo der Materialist kaum mehr sehen konnte, als was ihm seine physischen Sinne präsentierten.
Die Natur kann der Menschheit viel Anlass zur Freude geben, denn richtig betrachtet kann sie uns viel lehren. Sie kann wundervolle Schönheit symbolisieren, gewaltige Kraft drastellen und unglaubliche Ruhe veranschaulichen.
Unweit von unserem Haus lebt eine große Ohreule, die uns mit ihrem Ruf oft nachts einschläfert und morgens aufweckt. Wissen Sie, was für ein feines Gehör Eulen haben? Es heißt, sie können eine Maus aus einer Entfernung von 200 Metern trippeln hören. In unserer Umgebung leben auch Bären und Biber, Pumas und Rehe, Adler und Elche. Ein Kolibri, der am Vogelhaus saß, ließ sich einmal von Margie streicheln. Das war wirklich ein einmaliges Erlebnis.
Gewiss verhält sich jeder der Natur gegenüber anders. Zum Beispiel wären manche mit der Schlange, die wir bei unserer Zisterne sahen, anders verfahren. Auf meinem Grundstück hatte ich vorher nur einmal eine Klapperschlange gesehen. Sie befand sich nahe an unserem Haus. Damals brachte ich sie zu einem einige Kilometer weit entfernten Bach und gab ihr eine neue Heimat.
Als ich einmal mit zwei Freunden in Idaho bergsteigen ging, bemerkten wir, dass unser Seil an einer Stelle durchgescheuert war und ein paar Fäden mein ganzes Gewicht gehalten hatten, als ich zu einem Grat hochkletterte. Obwohl meine Freunde sich nicht für besonders religiös hielten, waren wir uns doch alle einig, dass es einen Gott gibt. Es schien klar, dass Gottes Gesetz der Barmherzigkeit, der Erhaltung, mächtiger und natürlicher am Wirken war als das, was allgemein als das Gesetz der Schwerkraft bezeichnet wird. Ich habe einige wunderbare Beispiele miterlebt, wie bei Waldbränden der Wind seine Richtung geändert und Häuser verschont hat, als einzelne Menschen im Gebet ein klareres Bild von Gottes Güte als der einzig authentischen Macht erlangten.
Zu oft fühlen sich die Menschen der Natur gegenüber hilflos, zumindest wenn sie zerstörerisch oder unbezähmbar scheint. Wenn wir jedoch einmal anfangen sie in ihr ursprüngliches Wesen zu übertragen, — das des Geistes, anstatt der Materie —, werden wir mehr Anzeichen von Harmonie, Frieden und Vollkommenheit sehen. Mit anderen Worten, wenn wir durch Gebet die Wirklichkeit biblischer Wahrheiten anerkennen — dass Gott, Geist, Alles ist und dass diese wahre Schöpfung geistig ist und nicht auf Materie basiert —, dann verändert sich unsere Sicht auf die Dinge und somit auch unsere Umgebung.
Die Natur ist dann wahrhaft natürlich, wenn wir ihre „Verheißung lieben", wenn wir erkennen, dass ihre wahre Schönheit und Pracht ihren Ursprung im Unendlichen, nicht im Endlichen haben und Unsterblichkeit, nicht Sterblichkeit ausdrücken, Vollkommenheit, nicht Zerstörung veranschaulichen. Letztendlich werden wir feststellen, dass sie wahrhaftig Gottes Universum ist und gänzlich Ihn ausdrückt. Und was für wunderbare Heilungen können sich ergeben, wenn wir diese Erkenntnisse über den Geist und seine harmonische Natur erlangen.
