So sollten sich Eltern verstehen, wenn es nach Lars H. Gustafsson, einem schwedischen Kinderarzt und Vater von acht Kindern ginge. Wenn Sie einen unkonventionellen Ansatz für die Erziehung Ihrer Kinder suchen, dann ist sein Buch „Kinder — weit weg und doch ganz nah”, das im Kreuz-Verlag erschienen ist, genau richtig für Sie!
Statt die Entwicklung vom Neugeborenen bis zum jungen Erwachsenen in unterschiedliche, aufeinanderfolgende Phasen zu unterteilen, bietet er ein Entwicklungskonzept an, das mir so noch nirgendwo begegnet ist. Er beschreibt nämlich neun verschieden „Landschaften”, die Kinder betreten, durchwandern, erforschen — und das oft sogar gleichzeitig. So nennt er diese Landschaften z. B. „das subjektive Selbst” oder „das mitfühlende Selbst”. Die Faszination dieser Sichtweise besteht für mich u. a. darin, dass diese Entwicklungsschritte nicht zwangsläufig abgeschlossen werden, so dass die Kinder sie wie eine Tür, die unwiderruflich ins Schloss gefallen ist, hinter sich lassen würden. Wenn ein Kind in einer dieser „Landschaften“ etwas unerforscht und unentdeckt gelassen hat, kann und wird es darauf zurückkommen und den verborgenen Schatz dieser „Landschaft" noch heben.
Vielleicht überrascht es andere Leser ebenso wie mich, dass Gustafsson sein Konzept von den Satzungen der UN-Kinder-Charta ableitet. Bei genauerer Betrachtung wurde mir natürlich nachträglich klar, dass es eigentlich keine Mutter und keinen Vater überraschen sollte, dass der Respekt für die Rechte des Kindes Grundlage jeder Erziehung sein sollte. Interessant ist es allemal.