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Original im Internet

Ein Leben ohne Angst

Aus dem Herold der Christlichen Wissenschaft. Online veröffentlicht am 21. März 2019


„Das sind Sie und das können Sie nicht!“, sagte sie bestimmt.

„Bin ich nicht, und kann ich doch!“, brüllte er zurück.

„Sie sind es und können es nicht!“

„Bin ich nicht, kann ich aber!“

Sie ging es eine Weile hin und her. Was aussah wie ein Streit war in gewisser Hinsicht ein Test des theologischen Selbstverständnisses. Die Frau sagte dem Mann, dass er Gottes Kind ist und somit nicht unehrlich handeln konnte, und er widersprach. Er versuchte die ganze Zeit, ihr die Handtasche zu entreißen, und sie – eine betagte Praktikerin der Christlichen Wissenschaft und Großmutter – gab keinen Zentimeter nach.

Das hatte nichts mit Sturheit zu tun, sondern mit geistiger Überzeugung. Die Praktikerin erzählte vor Jahren einer Gruppe in der Kirche davon, und erst fand ich die Geschichte inspirierend und amüsant. Doch als ich unlängst mehrere Berichte von Angriffen auf unschuldige Menschen und von subtileren Formen alltäglicher Aggression las, sah ich diese kleine Geschichte in einem anderen Licht. Sie demonstrierte etwas, das uns allen möglich ist: wie ein Verständnis von Gottes Allmacht und Allgegenwart uns Herrschaft über Furcht, Böses und Hass geben kann und uns heilt, beschützt und befähigt, ein friedlicheres und reichhaltigeres Leben zu führen.

Die Geschichte hatte folgendermaßen angefangen: Eines Tages war diese Praktikerin auf ihrem üblichen Weg durch ihre Wohngegend, die für eine hohe Kriminalitätsrate bekannt war. Zwei junge Männer hatten einen Plan. Der eine wollte an der Frau vorbeilaufen und ihr die Handtasche wegschnappen und der andere sollte den ersten dann mit dem Auto abholen.

Als die Praktikerin merkte, dass jemand an ihrer Handtasche riss, klammerte sie sich sofort daran fest und sah dem jungen Mann in die Augen. „Sie sind Gottes Kind und können nicht dazu gebracht werden, so etwas zu tun.“ Der Mann leugnete überrascht beide Aussagen und erwiderte: „Ich bin nicht Gottes Kind und ich kann Ihre Tasche klauen.“ Und so nahm dieser Austausch seinen Anfang.

Die Praktikerin war zutiefst von Gottes Liebe überzeugt. Sie wusste, dass dieser junge Mann ein guter Mensch war, denn er war Gottes Bild und Gleichnis. An dieser geistigen Sichtweise von seinem guten Wesen hielt sie fest und ließ nicht los.

Wenn unser Bewusstsein so mit der Allmacht von Gottes Liebe und der Wahrheit vom vollständig guten und geistigen Wesen des Menschen erfüllt ist, kann keine Furcht eindringen. Und das war ihr Schutz, denn ohne ihre Furcht konnte der Mann ihr nichts antun.

„Die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus“, lesen wir in 1. Johannes 4:18. Diese Versicherung und die Anweisung von Christus Jesus, sich nicht zu fürchten (siehe beispielsweise Matthäus 14:27), gründen sich auf die Wissenschaft des Seins, die erklärt, dass es nur eine Macht gibt – Gott, die göttliche Liebe –, und Gottes Liebe drückt sich durch jeden von uns als Seine Schöpfung unerlässlich aus. Da Gott die einzige Macht ist und uneingeschränkt durch Seine Schöpfung ausgedrückt wird, gibt es keinen Augenblick, in dem Gottes Allmacht nicht zum Ausdruck kommt. Die Praktikerin muss verstanden haben, dass Furcht – die Grundlage von Bösem oder Disharmonie – keine Gelegenheit hatte, die Vergangenheit dieses Mannes zu beeinflussen oder seinen Charakter zu beschädigen, Narben zu hinterlassen oder selbstzerstörerische Neigungen zu formen. Der Mensch Gottes könnte nie auf furchtsame, reaktive Impulse beschränkt werden. Sie wurden nicht von Gott hervorgerufen und konnten sich auf keine göttliche Autorität stützen.

Die gesamte Mission von Christus Jesus lag darin zu offenbaren, dass Gott und der Mensch eins sind, und darauf beruht die Wissenschaft des Seins – dass wir geistig sind. Jesus war sich seiner unerschütterlichen Beziehung zu Gott bewusst, und das wiederum gab ihm die Herrschaft über Furcht und Hass jeder Art sowie Krankheit, Sünde und Tod. Für uns ist es der Beweis, dass auch wir den höheren Gesetzen Gottes unterliegen und nicht materiellen Gesetzen der Begrenzung, die Furcht oder Hass hervorrufen.

Mary Baker Eddy, die Entdeckerin der Christlichen Wissenschaft, erklärt in ihrem Buch Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift wichtige Punkte über die Wissenschaft des Seins, darunter: „Die Wissenschaft des Seins deckt die Irrtümer des Sinnes auf und mithilfe der Wissenschaft erreicht die geistige Wahrnehmung die Wahrheit. Dann verschwindet der Irrtum“ (S. 406).

Die Praktikerin verstand diese Wissenschaft des Seins und konnte das Argument, dass dieser Mann kriminelle Neigungen haben könnte, gänzlich abweisen und gleichzeitig seine geistige Unschuld als Gottes Schöpfung lieben. Das muss ihn berührt haben, denn sein Motiv, jemanden einzuschüchtern und zu bestehlen, verschwand.

Und so ging die Geschichte weiter: Der Mann lockerte schließlich seinen Griff. Als der andere Mann wie geplant mit dem Auto ankam, stieg der Möchte-gern-Taschendieb zur Überraschung seines Freundes ohne die Tasche ein und sie fuhren weg. Die Aggression und der potenzielle Diebstahl wurden vereitelt. Die Praktikerin der Christlichen Wissenschaft beendete ihren Weg wie jeden Tag mit ihrer Tasche: unverletzt, ungestört und sicher, dass sowohl sie als auch alle die behüteten und geliebten Kinder Gottes sind.

Angesichts der zunehmenden Medienberichte über Angriffe auf unschuldige Menschen und meines eigenen Bewusstseins subtiler alltäglicher Aggressionen ist mir klar, dass das tägliche, aufmerksame Gebet dieser Praktikerin Furcht auflöste und umkehrte. Ihre Gebete gründeten sich auf das Wissen, dass Harmonie durch Gott als die einzige Macht naturnotwendig ist. Gottes mächtige Liebe erfüllt jeden Aspekt des Daseins; sie löst Furcht auf und entmachtet ihre Auswirkungen, genau wie Dunkelheit dem Licht weicht. So ging die Begegnung der Praktikerin mit dem jungen Mann aus, und so kann es überall ausgehen, wenn wir jedweder Angst und Disharmonie gegenüberstehen.

Es ist enorm zu erkennen, dass wir ohne Furcht leben können. Diese Geschichte der Praktikerin macht uns bewusst, dass wir von göttlichen Gesetzen regiert werden, von der Wissenschaft des Seins, die erklärt, dass wir die Kinder Gottes sind. Wir können nicht an Furcht, schlechte Motive oder Hass gefesselt werden. Oder, wie die Kurzform der Praktikerin an den jungen Mann besagt: „Wir sind es und können es nicht!“ Diese Geschichte zeigt uns, dass es möglich ist, furchtloser und freier zu leben, wenn wir Gottes mächtige und allgegenwärtige Liebe zunehmend annehmen und verstehen.

Kim Crooks Korinek
Stellvertretende Chefredakteurin

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– Otto Bertschi, Der Herold der Christlichen Wissenschaft, Oktober 1968 

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