Seit Beginn der Zeitrechnung hat es wohl für denkende Menschen keine wichtigere Frage gegeben als die: „Was ist Wahrheit?” Die große Hoffnung der Gegenwart beruht auf der Tatsache, daß die Menschen die Wahrheit mehr als je zuvor in der rechten Richtung suchen. Zuallererst gelangen sie zum Verständnis der wahren Bedeutung des Wortes „Wahrheit”, und damit fangen sie an, den tiefen Sinn der Verheißung Jesu einzusehen: „Und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch freimachen.”
Mit Hilfe des Zeugnisses des körperlichen Sinnes ist die Wahrheit nie gefunden worden und wird sie nie gefunden werden, wie wirklich und aufdringlich dieses Zeugnis auch scheinen möge. Die Wahrheit (sei es die Wahrheit über Gott, den Menschen oder das Weltall) ist die ewige, unveränderliche Tatsache, die allein der geistige Sinn wahrnehmen kann. Sie ist das, was immer gewesen ist und immer sein wird, das, was jetzt tatsächlich ist, trotzdem alle materielle Augenscheinlichkeit das Gegenteil behauptet. Um sie zu finden, muß man die materielle Augenscheinlichkeit umkehren, muß nicht auf die Dinge schauen, die sichtbar sind, sondern auf die Dinge, die nicht sichtbar sind; mit andern Worten: man muß den Blick fest auf die unzerstörbaren Wirklichkeiten des Geistes richten, die von den Sinnen nicht wahrgenommen werden.
Die ewige, unveränderliche Tatsache in bezug auf Gott ist die: „Gott ist unkörperliches, göttliches, allerhabenes, unendliches Gemüt, Geist, Seele, Prinzip, Leben, Wahrheit und Liebe” (Wissenschaft und Gesundheit, S. 465). Die Menschen haben lange gehofft, daß dies wahr sein möchte, sie haben unwillkürlich gefühlt, daß es wahr sein sollte, und jetzt lernen sie erkennen, daß es wahr ist. Indem sie ihre falschen Begriffe von Gott verlieren, den recht zu erkennen ewiges Leben ist, finden sie einen Gott, der wirklich Gott ist, einen Gott, dem sie fest vertrauen dürfen, den sie ehren und anbeten können. Ist aber die Wahrheit über Gott herrlich, so ist es auch die Wahrheit über den Menschen; denn „der Mensch ist der Sprößling des Geistes. Das Schöne, das Gute und das Reine sind seine Ahnen” (Wissenschaft und Gesundheit, S. 63). Das ist die ewige, unveränderliche Tatsache in bezug auf den Menschen. Es ist das, was durch den geistigen Sinn erkannt und mit wissenschaftlicher Gewißheit demonstriert werden kann. Es ist nicht etwas, von dem die Menschen vergebens wünschen, daß es doch wahr sein möchte; es ist die Wahrheit selbst.