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„Sie dienen auch, die nur steh'n und warten”

Aus der Juni 1926-Ausgabe des Herolds der Christlichen Wissenschaft


Die Worte Miltons: „Sie dienen auch, die nur steh'n und warten” haben der Verfasserin dieser Betrachtung eine Reihe hilfreicher Gedanken eröffnet. Ruhig abwarten ist oft die schwerste aller Aufgaben, die wir aufgefordert werden können, zu erfüllen. Doch wie häufig wiederholen sich durch die ganze Bibel hindurch und in den Schriften unserer Führerin Mrs. Eddy die Gebote zu warten, stille zu sein,— zu wissen!

Beruht unsere Unwilligkeit zu warten nicht zum großen Teil auf einer falschen Auffassung der Bedeutung des Wartens oder darauf, daß wir versäumen, nach dem Verständnis seiner Bedeutung zu trachten? Wie oft versucht das sogenannte sterbliche Gemüt, uns den Glauben einzureden, es gebe nicht viel, das wir tun können! Hätten wir nur Gelegenheit, in größerem Umfange zu dienen, Praktiker, Kirchenbeamter, Leser zu sein, mit der Führung der Tätigkeiten Der Mutter-Kirche in enger Verbindung zu stehen,— o, wie wir dann arbeiten würden, und was für eine Erhebung es für uns wäre! Doch wäre es so? Die Probe darauf, was wir tun würden, wenn wir auf Posten von scheinbar größerer Verantwortlichkeit und günstigerer Gelegenheit zu dienen gestellt wären, ist genau das, was wir jetzt tun, genau der Gebrauch, den wir von den uns gebotenen Gelegenheiten jetzt machen. Ein christlich-wissenschaftlicher Lektor sagte unlängst, was unserer Bewegung am meisten not tue, sei, daß jeder Christliche Wissenschafter seine Arbeit nach bestem Können da verrichte, wo er sich gerade befinde.

Abwarten heißt nicht mit gefalteten Händen müßig dasitzen. „Alles wohl ausrichten und das Feld behalten”, vielleicht inmitten von Vorwänden der Entmutigung, des Mangels, des Kummers oder der Krankheit, ist manchmal schwerer als es scheinen möchte, sich mit sterblichen Waffen in den Kampf zu stürzen. Doch nur in dem Maße, wie wir fest und unentwegt für das einstehen, was wir für recht halten, und geduldig auf den Herrn harren, gewinnen wir den Sieg.

Wenn wir uns in die Worte des Psalmisten vertiefen: „Harre des Herrn! Sei getrost und unverzagt und harre des Herrn!” finden wir, daß es während des Wartens genug Arbeit zu verrichten gibt. Die Eigenschaften Geduld, Demut, Mut, liebevolle Güte, rechte Tätigkeit, Ausdauer kommen alle zur Anwendung, wenn wir nur in der richtigen Weise warten. Der Spruch: „Seid stille und erkennet, daß ich Gott bin”, schließt mehr als bloßes Wiederholen der Worte in sich. Er bedeutet, die Versuchung, an eine andere Macht als Gott zu glauben, zum Schweigen bringen, die Furcht beschwichtigen, „auf Übergriffe, auf Unterdrückung und auf den Stolz der Macht verzichten”, wie sich Mrs. Eddy im Lehrbuch, „Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift” (S. 451), ausdrückt, danach trachten, Gott besser zu verstehen, und Ihn willig uns führen und leiten lassen, selbst steinige Pfade entlang.

Jedem der Menschheit erwiesenen großen Dienst ging eine Zeit des Wartens, der Vorbereitung, voraus. Ehe Mose bereit war, sein Volk aus der Knechtschaft zu führen, brachte er seine Jahre in der Wüste zu, wo er die Zeit nicht müßig verstreichen ließ sondern Herz und Gedanken auf die ihm bevorstehende Arbeit vorbereitete. David, der die Herden seines Vaters hütete, erwarb sich den nötigen Mut, geistige Fähigkeiten, die nötige Furchtlosigkeit, Kindlichkeit, die ihn später befähigten, seinen Feinden entgegenzutreten und sie zu besiegen und Israels großer König zu sein. Dreißig Jahre lang bereitete sich Jesus auf die drei kurzen Jahre seines Wirkens vor. Sind wir willig, mit ihm vierzig Tage lang in die Wüste zu gehen, um in unserem Bewußtsein die Gedanken, die Gott unähnlich sind, zu überwinden, und herauszukommen und sein Gebot zu befolgen, d.h. seine Werke zu tun?

Als unsere Führerin durch ihre eigene Heilung entdeckte, daß der Christus wie zur Zeit Jesu zu unserer Erlösung gegenwärtig ist, sonderte sie sich, wie sie erzählt, drei Jahre lang von der Welt ab, um ihre Zeit einer hingebenden Bibelforschung zu widmen, damit sie uns eine bestimmte Regel sollte geben können, durch die auch wir Gottes Kraft, jede Art von Krankheit und Mißklang zu heilen, sollten anwenden können. Brauchen wir im Lichte dieser Beispiele zu murren, wenn auch wir aufgefordert werden, eine Zeit des Wartens und der Vorbereitung auf die Arbeit, die Gott für uns vorgesehen hat, zuzubringen?

Es ist recht, daß wir wünschen, in Gottes Weinberg zu arbeiten; ja, es ist erforderlich, daß wir es tun, wenn wir unsern Teil in Gottes Plan erfüllen sollen. Doch wir brauchen nicht zu wissen, was gerade unser besonderer Platz sein soll, noch wann wir ihn einnehmen sollen, noch wie er zustande kommen soll. Wir brauchen nicht zu fürchten, daß Gott unsern Wunsch, zu dienen, nicht kenne, oder daß Er uns nicht fördere, wenn wir bereit sind, einen Schritt vorwärts zu tun. Dies ist in unserem Lehrbuch (S. 1) so herrlich ausgedrückt, wo es heißt: „Unausgesprochene Gedanken sind dem göttlichen Gemüt nicht unbekannt. Verlangen ist Gebet; und kein Verlust kann uns daraus erwachsen, daß wir Gott unsere Wünsche anheimstellen, damit sie gemodelt und geläutert werden möchten, ehe sie in Worten und Taten Gestalt annehmen”.

Das sterbliche Gemüt ist geneigt, einzuwenden, wie viel leichter es wäre, Fortschritte zu machen, wenn man an einem andern Ort, in einer andern Umgebung, bei anderen Leuten, bei einer andern Arbeit wäre! Alle Forscher in der Christlichen Wissenschaft müssen jedoch einsehen lernen, daß jeder seine Aufgabe da lösen muß, wo er sich gerade befindet, daß jeder in seiner gegenwärtigen Lage beweisen muß, was er vom Guten versteht, sonst kann er nicht zu dem höheren Dienst, den er wünscht, heranwachsen. Man braucht nicht in weiter Ferne nach Gelegenheiten zu suchen; sie sind alle in unserer Nähe. „Zu deinen Füßen liegt des Lebens Perle”, heißt es in einem geliebten Kirchenlied. Wir müssen „über wenigem getreu” sein, ehe wir über viel gesetzt werden können. David war ein treuer Hirte, ehe er König wurde; Joseph war der weise Diener des Pharao, ehe er zum Herrscher über Ägypten gemacht wurde; Jesus war Zimmermann, ehe er unser großer Wegweiser wurde; Mrs. Eddy arbeitete viele Jahre lang geduldig, ehe sie unser Lehrbuch herausbrachte und die Bewegung der Christlichen Wissenschaft ins Leben rief. So müssen auch wir die uns auferlegte Pflicht treu erfüllen, sei es zu Hause, auf dem Felde, in der Fabrik, in der Schule oder im Bureau, ehe wir für größere Aufgaben als die uns bis jetzt aufgegebenen bereit sein können.

Man könnte fragen: Was kann ich denn tun, um während dieser Wartezeit Fortschritte zu machen? Mrs. Eddy beantwortet dies klar auf Seite 495 von Wissenschaft und Gesundheit, wo sie sagt: „Studiere den Buchstaben gründlich und nimm den Geist in dich auf. Hange dem göttlichen Prinzip der Christlichen Wissenschaft an und folge dem Geheiß Gottes, indem du unentwegt in der Weisheit, Wahrheit und Liebe beharrst”. Hier gibt es gewiß sowohl für den, der gerade anfängt, als auch für den fortgeschrittensten Erforscher der Wahrheit überreichlich zu tun. Das Handbuch Der Mutter-Kirche sieht für den Forscher, der gehorsam sein und unsere große Sache in wirksamster Weise unterstützen möchte, bestimmte tägliche Pflichten vor. Diese tägliche Denkarbeit dient zu unserem Schutz und sie ist überaus notwendig, um das Licht der Wahrheit hellbrennend zu erhalten, bis alle Menschen dahin gebracht sind, daß sie es finden. Sich in die Lektions-Predigten vertiefen, die Gottesdienste regelmäßig und liebevoll besuchen, autorisierte christlich-wissenschaftliche Literatur lesen und verteilen sind weitere Gelegenheiten richtiger Tätigkeit für jedermann. Das Wichtigste ist jedoch, daß die Christlichen Wissenschafter so über ihr Denken wachen und so leben, daß andere, die ihre guten Werke sehen, den Vater preisen.

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