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Das singende Herz

Aus der Juni 1928-Ausgabe des Herolds der Christlichen Wissenschaft


Gesang als Ausdruck freudiger Verehrung Gottes und Seiner Herrlichkeit wurde vom jüdischen Volke frühzeitig als eine Anbetungsweise eingeführt. Unmittelbar nach ihrem siegreichen Durchzug durchs Rote Meer priesen Mose und die Kinder Israel den Herrn mit folgenden Worten: „Ich will dem Herrn singen, denn er hat eine herrliche Tat getan”. Immer wieder, wenn die Kraft und Gegenwart Gottes, sie auf ihren Wüstenwanderungen zu führen und zu schützen, bekundet wurde, stimmten sie Freudenund Danksagungslieder an.

So ertönten durch die Jahrhunderte hindurch, während die Auserwählten Gottes Ihn suchten und in dem Maße, wie ihr Begriff von der Gottheit vergeistigt wurde, Ihn fanden, ihre Siegeslieder aus überfließendem Herzen zu Gott. Alle Psalmisten hatten in ihrem Herzen das Lied der Freude, das in ihren erleuchteten Botschaften zum Ausdruck kam. „Singet von ihm und lobet ihn; redet von allen seinen Wundern!” war eine erhabene Ermahnung an das Volk, aus der festen Überzeugung gesprochen, daß Gott besteht, und daß Er der Quell der Segnungen aller Menschen ist.

Jesaja war sich der göttlichen Gegenwart kaum weniger bewußt, und auch er äußerte seine Dankbarkeit gegen Gott und ermahnte häufig sein Volk, zu singen. Aus singendem Herzen forderte er andere auf, an seiner Freude teilzunehmen, die der unerschütterlichen Gewißheit entsprang, daß Gott die Ursache und der Schöpfer sowie der Erhalter Seiner Schöpfung ist. Er begriff, daß die ganze Natur über den Untergang Babylons und die Befreiung der Auserwählten Gottes frohlockte. „Nun ruht doch alle Welt”, erklärte er, „und ist still und jauchzt fröhlich”. Wiederum sah der Prophet das freudige Blühen des Reiches Christi voraus, wenn sogar die Wüste „wird fröhlich stehen und wird blühen wie die Lilien”, wenn „die Lahmen springen wie ein Hirsch, und der Stummen Zunge wird Lob sagen”. Singen war der aus wiederholtem Beweisen der liebenden Fürsorge Gottes für alle Seine Kinder hervorgegangene Ausdruck innerer Freude. Über die großen und wunderbaren Werke Gottes nachdenkend, hörte der Offenbarer diejenigen, „die den Sieg behalten hatten an dem Tier”, das Lied Mose’s und des Lammes singen.

Das Bewußtsein der göttlichen Gegenwart läßt das Herz singen; denn dieses Verständnis ist eine nie versiegende Quelle der Freude. Was könnte einen so erfreuen wie die unerschütterliche und ruhige Gewißheit, daß Gott der liebende Vater aller ist, daß Er die unendliche, daher die einzige Gegenwart ist, und daß, da Er alles Gute ist, das Böse nicht ist? Sicherlich würde in der Gegenwart eines solchen Verständnisses die ganze Last der Sinnlichkeit mit ihren Annahmen von Krankheit, Leid und Sünde, mit ihrer Versicherung des Todes als dem Ende von allem wie die Finsternis dahinschwinden, wenn das volle Tageslicht auf ihre schattenhafte Nichtigkeit gerichtet würde. Die Christlichen Wissenschafter haben den besten aller Gründe, das singende Herz beizubehalten. Vor allen Christen haben sie die klarste Erkenntnis des Guten als der einzigen Gegenwart und die entsprechende Versicherung der Unwirklichkeit des Bösen; sie wissen und beweisen vor allen anderen die Nichtigkeit und das Nichtvorhandensein der scheinbaren Übel, die in der menschlichen Erfahrung so schwer wiegen. Was könnte die Freude, die in frohem Gesang zum Ausdruck kommt, mit sicherer Gewißheit hervorbringen als das vollkommene Verständnis der unendlichen Kraft des liebenden Vaters, des unendlich Guten, das fähig ist, alle unsere Bedürfnisse zu befriedigen, und das uns immer zur Verfügung steht? Sicher könnte es keinen andern so großen Grund zur Freude geben.

Wer nach Gesundheit verlangt, findet in dieser Versicherung den heilenden Balsam der zu seinen Gunsten wirkenden unendlichen Liebe; wer unter dem Verlust von lieben Angehörigen leidet, findet in dem Verständnis Gottes als des Lebens die vollkommene Versicherung von der Fortdauer des Daseins, von dem ewigen Beibehalten der Wesenseinheit des einzelnen, somit von der vollständigen Nutzlosigkeit des Kummers; wer ein Gefühl des Mangels beherbergt, findet in dem Verständnis des Geistes als Wesenheit die Quelle aller Versorgung, das Mittel, wodurch alle seine Bedürfnisse befriedigt werden; wer in Furcht und Besorgnis lebt, findet in dem göttlichen Wesen die allumfassende, alles durchdringende und alles beschützende Liebe, die dadurch Furcht austreibt, daß sie deren vollständigen Mangel an Wesenheit offenbart. Wie könnte das Herz verfehlen, das Lied des Frohlockens zu singen, wenn das Bewußtsein diesen unvergleichlichen Wahrheiten offensteht? Wie könnten die Ansprüche des Bösen, gleichviel welcher Art, in das von dem Bewußtsein solch unvergleichlicher Segnungen überfließenden Herzens Eingang finden?

Das singende Herz ist für die heilende Liebe empfänglich; denn gerade die Gegenwart der Freude, die in frohem Gesang Ausdruck findet, öffnet dem Einströmen der heilenden und tröstenden geistigen Wahrheit die Tür des Bewußtseins. Was für eine Gewißheit Mrs. Eddy von der Gegenwart Gottes doch hatte, daß sie auf ewig das Kind der göttlichen Liebe sei! Ihre Worte zeugen von einem unerschütterten Vertrauen auf Gottes schützende Fürsorge; und voll erhabenen Glaubens schrieb sie (The First Church of Christ, Scientist, and Miscellany, S. 166): „Wenn wir bereit sind, zu helfen und uns helfen zu lassen, ist die göttliche Hilfe nahe”. Und sie schließt den Abschnitt mit folgenden Worten: „Laßt uns also, meine Lieben, in das alt-neue Erlösungslied miteinander einstimmen, und laßt unser Zeitund Freudenmaß geistig, nicht sinnlich sein!” Durch die Wolken der körperlichen Sinne hindurchdringend, treten wir in die Erkenntnis des Geistes als der einzig vollkommenen Wirklichkeit ein. Bei solcher Erkenntnis strömt Freude in lieblichstem Gesang zu den Lippen.

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