Von welch wesentlicher Bedeutung für jedermann doch die Botschaft der Christlichen Wissenschaft ist, daß das Ungleichnis Gottes in Wirklichkeit nirgends ist, weil Gott allgegenwärtig ist und der Mensch, Sein Bild und Gleichnis, überall ist!
„In der Wissenschaft ist Wahrheit göttlich, und der unendliche Gott kann kein Ungleichnis haben”, schreibt Mary Baker Eddy auf Seite 287 des christlich-wissenschaftlichen Lehrbuchs „Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift”. Hiermit ist keine bloße Theorie oder Lehre aufgestellt, sondern eine wissenschaftliche Tatsache. Wie kann dann diese geistige Wirklichkeit im täglichen Leben dargetan werden? Im Geschäftsleben kann sie dadurch angewandt werden, daß wir den wirklichen Menschen in uns selber und in unseren Mitarbeitern ans Licht bringen. Wenn wir Rücksichtnahme, Liebenswürdigkeit, Verständnis und andere Eigenschaften ausdrücken, die wir für schön halten, finden wir nach und nach in den Menschen unseres engeren Verkehrs ein erwachendes Interesse für die Wahrheit.
Wir können daran denken, daß Gottes Widerspiegelung immer hier ist und uns nicht durch einen Schleier der Selbstsucht, eine Maske der Gleichgültigkeit oder eine Vortäuschung von Lieblosigkeit verborgen werden kann. Für das göttliche Gemüt ist der Mensch immer geistig und schön, und wir können in Wirklichkeit kein anderes Gemüt als Gott haben.
Der Schüler der Christlichen Wissenschaft lernt bald verstehen, daß Sünde um so mehr aus seiner menschlichen Erfahrung ausgeschlossen wird, je mehr er sein Denken mit Gutem füllt. Er lernt zwischen dem Wahren und dem Unechten, dem Sündlosen und dem Sündhaften unterscheiden. Indem der Beweiser der Wahrheit mental an der Tatsache festhält, daß Gottes Ebenbild geistig und unsterblich, intelligent und frei, liebevoll, liebenswürdig und furchtlos ist, ist er beständig bestrebt, nichts als dieses Gleichnis in sein Denken aufzunehmen.
Was war es, was Christus Jesus betreffs des Menschen verstand, das ihn befähigte, so viele zu heilen, die der Heilung bedurften? Wo dem sterblichen Anblick kraftlose Glieder, gelähmte Körper, entartete Zustände und klägliche Begrenzungen erschienen, sah er in der Wissenschaft den wirklichen Menschen, das Bild der Liebe. Dem Erlöser war es unmöglich, sich den Menschen, Gottes Ebenbild, als sterblich, begrenzt, entartet oder geschwächt zu denken. Ist es nicht klar, da Christus Jesus der Wegweiser ist, daß die Menschheit durch seine Lehren Gott als das All in allem und den Menschen, die geistige Idee, als den Sohn Gottes erkennen lernen kann? So werden sie imstande sein, dieselben Heilbeweise wie er zu erbringen, indem sie beweisen, daß Gottes Bild und Gleichnis in der Tat überall ist.
Jedermann wird die Schönheit, die Erhabenheit, die Herrlichkeit und die Macht des ursächlichen Gemüts zugeben. Und heißt dies nicht und enthüllt es nicht, daß alles in Gottes Weltall, der Mensch eingeschlossen, diesem einen Gemüt, dieser einen Ursache gleicht? Bedeutet die Tatsache des unendlichen Gemüts nicht, daß wir uns oder unsern Nächsten auf keine andere Art wahrhaft erkennen können als dadurch, daß wir die Offenbarwerdung des Gemüts, das Bild der Liebe sehen? Ganz gewiß. Sollen wir uns dann nicht immer mehr in die Bibel und das christlich-wissenschaftliche Lehrbuch vertiefen, um das Verständnis zu gewinnen, das uns befähigt, jene Erkenntnis des Christus zu erlangen, die den Menschen so enthüllt, wie Gott ihn kennt, nämlich als geistig, vollkommen, unsterblich und überall gegenwärtig?
Die Heilige Schrift enthält erhebende Berichte von Männern und Frauen, die an der Vollkommenheit Gottes und des Menschen festhalten konnten, wenn böse Einflüsterungen sie veranlassen wollten, Furcht, Eifersucht, Rache, Selbstsucht oder Sünde zu sehen. Eine solche Begebenheit ist in der Geschichte von Jakob und Esau im 1. Buch Mose berichtet. Esau hatte das Leben Jakobs bedroht, weil dieser seinen Vater Isaak betrogen und ihn so um seines Vaters Erstgeburtssegen gebracht hatte. Jakob mußte fliehen. Esau hielt Jakob für hinterlistig, während Jakob Esau für rachsüchtig hielt. Diese falschen Ansichten vom Menschen trennten die beiden Brüder eine Zeitlang. Aber mit der Zeit wurde Jakob der göttlichen Führung inne, die ihn befähigte, an Esau in Liebe anstatt in Haß zu denken; und dies führte zu einer Versöhnung.
Auf seiner Rückkehr in sein Vaterland sandte Jakob Bosten zu Esau, die mit dem Bericht zurückkamen: „Esau ... zieht dir entgegen mit vierhundert Mann”. Jakob fürchtete, sein Bruder könnte sich vielleicht rächen und ihm ein Leid zufügen. Aber Jakob betete, und als er allein war, verwarf er nach großem Ringen diese aufdringlichen mentalen Einflüsterungen durch die Kraft der Wahrheit. Dann zog er weiter; „Esau aber lief ihm entgegen und herzte ihn und fiel ihm um den Hals und küßte ihn”.
Was war das Geheimnis des Sieges Jakobs über den Augenschein der körperlichen Sinne? Ist der Schlüssel zu dieser Aussöhnung der Brüder nicht darin zu finden, daß Jakob den wahren geistigen Sinn des Seins gewann, anstatt seinen Bruder als Feind anzusehen? Er sagte: „Ich sah dein Angesicht, als sähe ich Gottes Angesicht; und laß dir’s wohl gefallen von mir”.
Können wir nicht eifrig danach trachten, heute dieselbe Regel der Christlichen Wissenschaft anzuwenden, indem wir uns bemühen, mehr von Gott, dem Guten, in uns und in anderen zu sehen? Denn wir wissen, daß das Wesen des wirklichen Menschen gottähnlich ist, daß er die unendliche Fähigkeit hat, durch vollständige Übereinstimmung mit der Liebe zu lieben.
Mrs. Eddy schreibt (Wissenschaft und Gesundheit, S. 516): „Die Substanz, das Leben, die Intelligenz, die Wahrheit und Liebe, welche die Gottheit bilden, werden von der Schöpfung der Gottheit widergespiegelt; wenn wir das falsche Zeugnis der körperlichen Sinne den Tatsachen der Wissenschaft unterordnen, werden wir dieses wahre Gleichnis und diese wahre Widerspiegelung überall erblicken”. Worte von ungeheurem praktischem Wert, deren Wahrheit ihre Verfasserin bewies, als sie von Freunden verraten und von Feinden verleumdet wurde und es schien, als ob Gottes Ungleichnis fast überall wäre! Dennoch drang sie zu der endgültigen Feststellung der beweisbaren Wahrheit durch, um uns zu befähigen, die Allheit Gottes und die Nichtsheit des Bösen zu beweisen.
Schüler der Christlichen Wissenschaft, die ähnlichen Zuständen und Schwierigkeiten begegnen, können sie ebenfalls dadurch überwinden, daß sie den Menschen Gottes als den einzig wirklichen Menschen sehen. Alle, die dies tun, müssen immer von dem kleinlichen, persönlichen, unwürdigen Begriff vom Menschen wegsehen. Sie dürfen so wenig zögern, Übellaunigkeit, Charakterfehler und engherzige Ansichten für die geistige Idee Mensch abzulegen, wie ein schäbig Gekleideter, der großen Reichtum erbt, zögern würde, die alten, wertlosen Lumpen abzulegen. Der Mensch ist der Ausdruck der Vollkommenheit der Liebe, der Fortdauer des Lebens. Laßt uns dieses geistige Bewußtsein beanspruchen und unser Denken durch Gebet zu der Wissenschaft des Gemüts erheben und so den Menschen als das wahre Bild der Liebe sehen!
