Die Bibel berichtet von einem Ereignis der frühen Geschichte der Menschen auf Erden, die auf der Ebene im Lande Sinear eine Stadt und einen Turm bauten. Da sie von „einerlei Zunge und Sprache“ waren ( 1. Mose 11:1), arbeiteten sie alle zusammen, um sich einen Namen zu machen. Ihr Werk wurde jedoch zunichte, wie es mit allen Dingen der Fall ist, die auf Selbstverherrlichung und Gottvergessenheit aufgebaut sind. Die Bauarbeiten wurden abgebrochen, und die Leute wurden von dort in alle Länder zerstreut. Und ihre Sprache wurde verwirrt, so daß sie sich nicht mehr miteinander verständigen konnten.
Wie gänzlich verschieden ist dieser Vorfall von der Erfahrung der Apostel nach der Himmelfahrt Jesu. Sie hatten sich selbstlos dem Dienst ihres großen Lehrers und Wegweisers geweiht, um in geistiger Weise zu bauen und seine Heilsbotschaft unter der ganzen Menschheit zu verbreiten, und am Tage der Pfingsten waren sie in christlicher Einmütigkeit versammelt. Wie berichtet wird, empfingen sie dann den Heiligen Geist und begannen, mit solch himmlischer Inspiration zu predigen, daß die Angehörigen der verschiedensten Völker die Botschaft in ihrer eigenen Sprache vernahmen. Und nachdem Petrus gesprochen hatte, vereinigten sich Dreitausend jener, die seine Predigt gehört hatten, mit den Jüngern und ließen sich taufen.
Die Fragen, die jeder Christliche Wissenschafter von heute sich vorlegen sollte, sind: Arbeite ich, um Gott zu verherrlichen und meine Mitmenschen zu segnen? Erfülle ich die erste Pflicht des Christen, nämlich ohne Unterlaß zu arbeiten und zu beten?
In einem Brief an eine Zweigkirche schreibt Mary Baker Eddy in „The First Church of Christ, Scientist, and Miscellany“ (Die Erste Kirche Christi, Wissenschafter, und Verschiedenes, S. 252): „Bleibt rührig mit der göttlichen Liebe.“ Rührig zu bleiben, wie es hier angedeutet wird, bedeutet sicherlich, tätig zu sein, beständig damit beschäftigt zu sein, im eigenen Leben Liebe auszustrahlen und ihre stets gegenwärtige Macht und Fähigkeit, alle Bedürfnisse zu befriedigen, zu beweisen.
Mrs. Eddy hält in der folgenden Erklärung den Christlichen Wissenschaftern einen hohen Maßstab für ihr tägliches Leben vor (Vermischte Schriften, S. 116): „Niemals euren Dienst versäumen, niemals unachtsam, niemals mißmutig, sondern immer bereit sein, für Gott zu wirken — das ist Gehorsam, das heißt, über wenigem getreu' sein." Wenn solcher Gehorsam mit Dankbarkeit und Liebe zu Gott ausgeübt wird, so wird es allen, die sich als getreu erweisen, mit unbeschreiblichem Segen belohnt.
Der Psalmist fragt (Ps. 116:12): „Wie soll ich dem Herrn vergelten alle seine Wohltat, die er an mir tut?“ Und ein Teil seiner Antwort ist: „Ich will meine Gelübde dem Herrn bezahlen vor allem seinem Volk, in den Höfen am Hause des Herrn, in dir, Jerusalem.“ Dies ist eine eindeutige Erklärung unseres Vorrechtes und unserer Pflicht, unseren Mitmenschen liebevoll zu dienen, getreulich und ohne Unterbrechung für die Erlösung der ganzen Menschheit von all ihren Übeln und Disharmonien zu arbeiten.
Der Apostel Petrus befragte Jesus einst mit Bezug auf den Lohn, den seine Jünger für ihre Treue zu ihm empfangen würden. Und der Meister verhieß ihnen, daß sie bei ihm sein sollten, wo immer er auch sein würde. Und dann erzählte er ihnen ein Gleichnis, das auf die Belohnung von Diensten Bezug hat.
Er erzählte von einem Hausvater, der am frühen Morgen ausging, um Arbeiter für seinen Weinberg zu dingen. Später ging er nochmals aus und dingte Arbeiter um die sechste, neunte und elfte Stunde. Da es nun Abend ward, gab er jedem Arbeiter einen Groschen, ungeachtet der Zahl der Stunden, die er gearbeitet hatte.
Da murrten jene, die längere Zeit gearbeitet hatten, und sagten, sie hätten mehr empfangen sollen. Der Hausvater erwiderte ihnen jedoch, daß er sein Abkommen mit ihnen erfüllt habe, und daß sie keinen Grund zu Beschwerden hätten. Und Jesus beschloß das Gleichnis mit den Worten (Matth. 20:16): „Also werden die Letzten die Ersten und die Ersten die Letzten sein. Denn viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt.“ Erteilte wohl der Meister seinen Zuhörern damit die Lehre, daß reicher Lohn alle jene erwartet, die getreulich arbeiten, ungeachtet dessen, wie lange sie im Weinberge der göttlichen Liebe gearbeitet haben?
Wenn der Christliche Wissenschafter wahrhaft dankbar ist für die Christliche Wissenschaft und die großen Segnungen, die ihm durch sie zuteil geworden sind, so wird er beständig rührig in der göttlichen Liebe sein. In wahrer Selbstvergessenheit wird er die Wahrheit leben — im Heim, im Geschäft, oder wo immer er sich auch befinden mag. Er wird seine Gelübde „in den Höfen am Hause des Herrn" bezahlen. Er wird beständig sein in der tätigen Unterstützung seiner Kirche und in einem höchst wichtigen Einfluß zum Guten in seinem Gemeinwesen. Er wird der Apathie, Gleichgültigkeit oder Untätigkeit niemals erlauben, ihn seinen Pflichten und Verbindlichkeiten noch seinen Vorrechten als Mitglied der Kirche Christi, Wissenschafter, gegenüber blind zu machen.
Reiche Ernte kommt nur zu jenen, die ernten. Und die, die geistig ernten, sind jene, die rührig in der göttlichen Liebe sind. Um geistig zu ernten, muß man die Sichel der Wahrheit ergreifen und sie unermüdlich schwingen. Jesu Befehl ist, daß wir in seinem Wort verbleiben.
Der Wegweiser erzählte ein anderes Gleichnis von einem Mann, der zwei Söhne hatte. Er bat jeden für sich, in den Weinberg zu gehen und dort zu arbeiten. Der erste Sohn antwortete, daß er's nicht tun wollte, aber danach reute es ihn und er ging hin. Der zweite Sohn sagte sofort zu, aber dann hielt er nicht sein Versprechen. Die ungenützte Gabe der geistigen Liebe hilft niemandem, aber die gelebte und mitgeteilte Liebe segnet den einzelnen und die ganze Menschheit.
Unser Vater fordert uns alle auf, in den Weinberg zu kommen und die Gaben zu nützen, die wir haben, wie gering sie auch erscheinen mögen. Was tun wir mit Bezug auf unsere Verpflichtungen und Gelegenheiten? In der Welt besteht ein starkes Bedürfnis für die Verheißung und die Fülle des Guten, das die Christliche Wissenschaft zu bieten hat. Sollten wir nicht in die Höfe am Hause des Herrn gehen und Ihn durch unsern Dienst vor allem seinem Volk lobpreisen?
Mrs. Eddy sagt (Vermischte Schriften, S. 340): „Es gibt nichts Vollkommenes ohne harte Arbeit, und jetzt ist die Zeit zu arbeiten. Nur durch ausdauernde, unablässige und ehrliche Bemühung, nur wenn du, ohne dich nach rechts oder links zu wenden, keine andere Beschäftigung oder kein anderes Vergnügen suchst, als die, die von Gott kommen, kannst du die Krone der Getreuen gewinnen und tragen.“
Möge jeder Christliche Wissenschafter sich vornehmen, der Ermahnung unserer Führerin zu folgen: „Bleibt rührig mit der göttlichen Liebe.“
