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Der Identitätsdurchbruch

Aus der Juli 1974-Ausgabe des Herolds der Christlichen Wissenschaft


Vor einiger Zeit erregte eine große Anzeige in einer Zeitung in höchstem Maße meine Aufmerksamkeit. Sie stellte allem Anschein nach eine kompakte Mauer dar. Ein spitzer pfeilartiger Gegenstand hatte jedoch die Mauer von einer Seite her durchbohrt und kam auf der anderen Seite heraus, als sollte ihre scheinbare Stärke in Frage gestellt werden. Unter dem Bild standen in großen Buchstaben die Worte: „Eine Idee kann alles durchdringen.“

Ja, eine richtige Idee kann alles durchdringen. Sie ist an keine materiellen Beschränkungen gebunden noch von geographischen Grenzen ummauert. Es steht ihr frei, überall zu jeder Zeit mühelos gegenwärtig zu sein. Sie kennt kein Hindernis.

Dann richteten sich meine Gedanken auf den Menschen, der, wie wir in der Christlichen WissenschaftChristian Science; sprich: kr’istjən s’aiəns. entdecken, als Idee besteht und nicht als die kompakte Körperlichkeit, die er zu sein scheint. Sein wahres und grundsätzliches Selbst besteht aus Ideen, die dem einen Gemüt, das Gott ist, entstammen. Der Mensch ist nicht ein leeres Gefäß, das darauf wartet, mit geistigen Ideen gefüllt zu werden. Die Ideen machen sein Sein aus. Mary Baker Eddy, die Entdeckerin und Gründerin der Christlichen Wissenschaft, beschreibt ihn in ihrem Buch Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift folgendermaßen: „Der Mensch ist Idee, das Bild der Liebe; er ist kein körperlicher Organismus. Er ist die zusammengesetzte Idee Gottes und schließt alle richtigen Ideen in sich.“ Wissenschaft und Gesundheit, S. 475;

Auf die materielle, so zerbrechlich in der Materie zusammengesetzte Struktur, die sich Mensch nennt, könnte das nicht zutreffen. Wir müssen über diesen sterblichen Begriff hinausblicken, um die wahre Identität des Sohnes Gottes zu finden, die grenzenlose Idee des Gemüts. Wir finden ihn nur im Gemüt, wo er die Eigenschaften des Gemüts ausdrückt und bekundet. Diese richtige Identifizierung des Menschen als Idee kann tatsächlich die augenscheinliche Unumstößlichkeit falscher sogenannter Gesetze und Klischees durchdringen und uns auf der anderen Seite ihrer beschränkenden Mauern herauskommen lassen.

Unsere gesamte Erziehung hat uns gelehrt, in sterblichen Begriffen über den Menschen zu denken. Es wurde betont, daß der Mensch aus Materie geschaffen ist — aus starker oder schwacher Materie, aber immer verletzbarer Materie —, dem Zufall und Unfall überlassen. Seine Gelegenheiten zum Aufstieg und Fortschritt werden sozusagen als mit seiner Geschichte verflochten angesehen, über die er wenig Kontrolle hat.

Die Christliche Wissenschaft bietet einen wissenschaftlichen Begriff von Gemüt, Gott, und daher einen wissenschaftlichen Begriff vom Menschen, dem Ausdruck oder Ebenbild des Gemüts. Sie identifiziert dieses Gemüt als das eine Ego, als das, was die Bibel den „ICH BIN DER ICH BIN“ 2. Mose 3:14 [n. der engl. Bibel]; nennt. Als Jesus von seiner wahren Identität, dem Christus, sprach, sagte er: „Ehe denn Abraham ward, bin ich.“ Joh. 8:58;

In Wissenschaft und Gesundheit wird die Frage gestellt: „Was ist das Ego, woher stammt es, und was ist seine Bestimmung? Der Ego-Mensch ist die Widerspiegelung des Ego-Gottes; der Ego-Mensch ist das Bild und Gleichnis des vollkommenen Gemüts, des Geistes, des göttlichen Prinzips.“ Und es heißt weiter: „Das eine Ego, das eine Gemüt oder der eine Geist, Gott genannt, ist die unendliche Individualität, die alle Form und Anmut verleiht und die die Wirklichkeit und Göttlichkeit in dem individuellen geistigen Menschen und in den geistigen Dingen widerspiegelt.“ Wissenschaft und Gesundheit, S. 281;

Dieses Ego als die Quelle unseres Seins anzuerkennen befähigt uns, uns nicht mehr als eine körperliche Persönlichkeit zu betrachten, als ein kleines privates Ego, das seine eigenen Angelegenheiten experimentell regeln muß. Wir können die falschen Verpflichtungen und Probleme beiseite lassen, die den persönlichen Sinn begleiten, und statt dessen wissen, daß wir als Idee existieren, von dem unfehlbaren Ich bin regiert.

Wenn wir uns auf diese Weise geistig identifizieren, eröffnet sich uns wie ein plötzliches Aufleuchten das Ausmaß unserer wirklichen Individualität. Wir sehen, daß wir nicht zwei Individualitäten besitzen, sondern nur eine — die geistige. Und wir erwachen zu der Tatsache, daß der persönliche Sinn uns nicht veranlassen kann, bei der alten unangemessenen Verhaltensweise zu bleiben, noch uns in einer Schale selbstsüchtiger Gewohnheiten versiegeln und dadurch den göttlichen Impuls, der uns vorwärtstreibt, blockieren kann. Wir finden es leicht, uns zu verständigen, denn wir schließen unsere Umgebung und unsere Welt in unsere Liebe ein. Es wird natürlich für uns, im Umgang mit anderen Verständnis zu zeigen, statt Kritik zu üben, anderen gegenüber aufgeschlossen anstatt verschlossen zu sein.

Ein solches Wissen identifiziert jeden einzelnen als die Widerspiegelung des Ego-Gottes, des göttlichen „Ich“. Uns auf irgendeine andere Weise zu klassifizieren würde bedeuten, daß wir das „Ich“ nicht groß schreiben, sondern mit kleinem „i“, dem „i“ mit dem Punkt darüber. Und solch eine Identifizierung führt uns sogleich zu Begrenzungen. Jedoch zu wissen, was wir wirklich sind, heißt, daß der einzelne sich weigern kann, sich als ein kleines Ego, als ein privates, persönliches „ich“ mit einem Punkt darüber, zu betrachten. Irgend etwas hängt immer über diesem kleinlichen, persönlichen Ego — ein Gesundheitsproblem, eine Geschäftskrise, finanzieller Mangel, verwickelte menschliche Verhältnisse.

In der Wissenschaft können wir uns außerhalb der Reichweite dieses Damoklesschwerts, dieser über uns hängenden Ungewißheit und Furcht, wissen. Wir haben den Menschen als die direkte Widerspiegelung des einen Ego entdeckt, all des Gemüts, das es überhaupt gibt. Die Widerspiegelung dieses Gemüts ist unser wahres Selbst, das einzige wirkliche Selbst, das wir je besitzen werden, die widergespiegelte Herrlichkeit der Liebe, unbegrenzt von den Mauern des persönlichen Sinnes.

Als Christus Jesus einmal seine Jünger zum Heilen und Lehren in die Dörfer aussandte, kamen sie voller Begeisterung über ihren Erfolg zurück. Er aber ermahnte sie: „Darüber freuet euch nicht, daß euch die Geister untertan sind. Freuet euch aber, daß eure Namen im Himmel geschrieben sind.“ Luk. 10:20; Auch wir müssen einsehen, daß es von jedem von uns nur einen Begriff gibt, daß unsere wahre Identität nicht persönlich, sondern geistig wissenschaftlich, in der Harmonie verankert ist. Von dieser Gedankenhöhe aus kann man Heilung erleben — für sich selbst und für andere. Wir dürfen niemals von unseren Leistungen so beeindruckt sein, daß wir die richtige Identifizierung aus den Augen verlieren, die diese Leistungen ermöglicht — unser Einssein, unsere Einheit mit Gott.

Beginnen Probleme unlösbar auszusehen? Erklärt Selbstbedauern, unser Selbst zu sein? Suchen Selbstgerechtigkeit, Eigenwille und Selbstgefühl unsere Aufmerksamkeit zu gewinnen? Dann lasse man das kleine persönliche „ich“ mit dem Punkt darüber nicht zu. Man weigere sich, dessen Suggestionen und Reaktionen hinzunehmen. Mrs. Eddy rüttelt uns mit folgenden Worten auf: „Wenn du dich von dem Wechsel von Zeit und Sinn losmachst, wirst du weder die festen Zwecke und Ziele des Lebens noch deine Identität verlieren. Wenn du deinen Blick auf die höheren Wirklichkeiten heftest, wirst du dich zu dem geistigen Bewußtsein des Seins erheben, wie der Vogel, der aus dem Ei gekrochen ist und sich die Flügel putzt zu seinem Fluge himmelwärts.“ Wissenschaft und Gesundheit, S. 261.

Die Mauer ist durchbrochen. Die göttliche Wissenschaft hat den Durchbruch zur wahren Identität ermöglicht. Sie fordert uns auf, von den Grenzen der Zeit und des Sinnes abzurücken, die dafür argumentieren, daß wir nur zu begrenzten Leistungen fähig seien, nur eine begrenzte Demonstration erbringen könnten. Sie sagt: „Nimm diese Wissenschaft an. Lebe deine wahre Identität und finde Unendlichkeit!“

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