Die Menschheit fühlt instinktiv, daß Gesundheit eine dem Leben innewohnende Eigenschaft, der rechtmäßige und normale Daseinszustand des Menschen ist, daher ihre unaufhörlichen Bemühungen, Gesundheit zu erlangen und sie sich zu bewahren, sie zu schützen und sie auf sichreren Boden zu stellen. Dem menschlichen Sinn erscheint Gesundheit als ein Zustand der Materie, der vom normalen Funktionieren des physischen Körpers abhängt. Aber die Christliche Wissenschaft deckt die Unrichtigkeit einer materiellen Auffassung von Gesundheit und vom Menschen auf und offenbart, daß Gesundheit in Wirklichkeit von geistiger Beschaffenheit ist, daß sie eine Eigenschaft des göttlichen Gemüts ist, die dem Menschen als Gottes Idee auf ewig verliehen ist.
Solange die Menschheit Gesundheit durch physische Theorien und materialistische Methoden sucht, wird das Erlangen von Gesundheit bestenfalls unsicher sein. Jede Krankheit und jeder Verlust von Gesundheit kann auf den grundlegenden Irrtum zurückgeführt werden, daß der Mensch materiell anstatt geistig sei, daß er seinen Ursprung in der Materie anstatt im Geist habe und daß er in bezug auf seine Harmonie und sein Wohlergehen von der Materie anstatt vom Gemüt abhänge. Die Christliche Wissenschaft packt die falschen materiellen Auffassungen an der Wurzel und offenbart den Menschen als völlig geistig, als zu Gottes Ebenbild geschaffen, wie die Heilige Schrift erklärt.
Mit biblischer Vollmacht zeigt diese Wissenschaft, daß alles, was Gott erschafft, das Universum und der Mensch, sehr gut ist, d. h. vollkommen und geistig, harmonisch und gesund, denn Gott, das vollkommene Gemüt, kann nichts erschaffen, was von Seiner eigenen vollkommenen Natur abweicht. Weil der Mensch, der Sprößling, der Ausdruck oder die Widerspiegelung des Gemüts, vollkommen ist, ist Krankheit, Kräfteverlust, Verfall oder irgendein anderer Irrtum niemals ein Zustand seines Seins. Gottes unendliches Universum oder unendliche Kundwerdung schließt all jene geistigen Ideen, Eigenschaften und Kräfte ein, die das Universum ausmachen, und folglich schließt der Mensch sie durch Widerspiegelung ein. Die einzig wirkliche Schöpfung oder Verkörperung, der einzig wirkliche Körper, ist die unendliche Kundwerdung des Gemüts und besteht allein aus geistigen Begriffen. Sie schließt deshalb nichts Materielles, Physisches oder Endliches in sich. Sie schließt jedoch die rechte Idee von Sehkraft, Gehör, Kreislauf, Tätigkeit, Gesetz, Regierung und Herrschaft ein.
Die unendliche Verkörperung oder der unendliche Körper des Gemüts schließt den wahren oder geistigen Begriff von Gesundheit, Gestaltwerdung, Funktion und Tätigkeit in sich. Diese geistigen Begriffe bestehen nicht außerhalb des Menschen; er schließt sie in sich. So verstanden, kommt Gesundheit nicht zum Menschen; Gesundheit ist da, wo der Mensch ist. Gesundheit ist ein geistiger Bewußtseinszustand, den das Gemüt immerdar im Menschen individualisiert. Mrs. Eddy spricht in all ihren Schriften viel von Gesundheit. Sie tut die materialistischen Theorien in bezug auf Gesundheit völlig beiseite und erhebt die Gesundheit in das Reich der reinen Wahrheit. In Wissenschaft und Gesundheit schreibt sie: „Gesundheit ist nicht ein Zustand der Materie, sondern des Gemüts; auch können die materiellen Sinne kein zuverlässiges Zeugnis in bezug auf die Gesundheit abgeben. Die Wissenschaft des Gemüts-Heilens zeigt, daß es nur dem Gemüt und nichts anderem möglich ist, den wirklichen Zustand des Menschen der Wahrheit gemäß zu bezeugen oder an den Tag zu legen. Daher kehrt das göttliche Prinzip der Wissenschaft das Zeugnis der physischen Sinne um und enthüllt, daß der Mensch in der Wahrheit, die die einzige Grundlage der Gesundheit ist, harmonisch besteht; und so leugnet die Wissenschaft alle Krankheit, heilt die Kranken, stößt den falschen Augenschein um und widerlegt die materialistische Logik.“ Wissenschaft und Gesundheit, S. 120;
Christus Jesus muß ein klares Verständnis von der wahren Natur der Gesundheit gehabt haben, da er in der Lage war, sie selbst in Fällen wiederherzustellen, die nach menschlicher Auffassung für unheilbar gehalten wurden. Als ein Mann, der „voller Aussatz“ Luk. 5:12, 13; war, Jesus um Hilfe bat, muß dem Leidenden die Krankheit doch sehr als ein Zustand seines Körpers erschienen sein. Aber Jesus „streckte die Hand aus und rührte ihn an und sprach: Ich will's tun, sei gereinigt!“ Und wir lesen: „... alsbald ging der Aussatz von ihm.“ Die Krankheit verschwand völlig angesichts der Erkenntnis der geistigen Wahrheit des Seins, daß nämlich der Mensch das geliebte Kind Gottes ist, rein und frei von jeder Unvollkommenheit.
Die Christliche Wissenschaft zeigt, daß der Christus, die wahre Idee Gottes, die Jesus beim Heilen der Kranken demonstrierte, immer gegenwärtig ist, um dem menschlichen Bewußtsein zu der Erkenntnis der geistigen Tatsache zu verhelfen, daß Gesundheit eine Eigenschaft Gottes ist, untrennbar vom Menschen.
Krankheit kann folglich kein Zustand der Materie oder des sterblichen Körpers sein. Vielmehr ist sie ein Zustand des sterblichen Denkens, der durch Unwissenheit, Furcht oder Sünde herbeigeführt wird. Aber sie ist nicht ein Zustand des wahren Bewußtseins des Menschen, das das eine unendliche Gemüt, Gott genannt, widerspiegelt. Indem wir die Krankheit aus dem sterblichen Gemüt entfernen durch die Erkenntnis, daß jegliches Gemüt oder Bewußtsein außer Gott völlig unwirklich ist, und diese Wahrheit nach besten Kräften in die Praxis umsetzen, beseitigen wir die Krankheit aus unserer Erfahrung und beweisen in ständig wachsendem Maße, daß wir in Wirklichkeit immer das vollkommene Kind Gottes gewesen sind und im Himmel Seiner Gegenwart leben.
Die Christliche Wissenschaft enthüllt, daß der wirkliche Mensch ebensowenig Krankheit erlebt, wie Gott sie erlebt. Sie ist nicht einmal ein Zustand des sogenannten sterblichen Körpers, sondern eine Annahme oder Erfahrung des materiellen Bewußtseins; und sie wird aus diesem angeblichen Bewußtsein entfernt durch das geistige Verständnis von der Allgegenwart und Allmacht der göttlichen Liebe und von der immerwährenden Vollkommenheit des Menschen als des Ebenbildes und der Idee der Liebe. Wir sollten Krankheitssymptome als unpersönliche Ansprüche des fleischlichen oder sterblichen Gemüts betrachten, als aggressive Suggestionen, die das menschliche Bewußtsein verwirren und hypnotisieren möchten — durch medizinische Theorien, Vererbungsgesetze und die allgemeine Annahme, daß der Mensch ein Sterblicher und sein Leben in der Materie sei.
Wenn ein Fremder unser Haus beträte und unser Wohnzimmer in Unordnung brächte, würden wir sofort Schritte dagegen unternehmen. Wenn wir den Eindringling nicht physisch entfernen könnten, würden wir das Gesetz zu Hilfe rufen, um die Unverletzlichkeit unseres Heims wiederzugewinnen. Wir würden uns vielleicht an die Polizei wenden und uns auf die Gesetze des Landes berufen, die uns den Schutz unseres Eigentums zusichern. Mrs. Eddy ermahnt uns: „Steh Wache an der Tür des Gedankens.“ Wissenschaft und Gesundheit, S. 392; Und sie sagt ferner: „Wir sollten uns mehr mit dem Guten als mit dem Bösen vertraut machen und sollten uns ebenso sorgfältig vor falschen Annahmen hüten, wie wir unsere Türen gegen das Eindringen von Dieben und Mördern verriegeln.“ ebd., S. 234;
Dieselbe sorgfältige Wachsamkeit ist erforderlich, wenn wir unser Denken vor den aggressiven Suggestionen des fleischlichen Gemüts schützen wollen. Anstatt hilflos auf einen unharmonischen physischen Zustand zu schauen, der vielleicht medizinisch als gefährlich oder unheilbar diagnostiziert worden ist, sollten wir uns gegen ihn auflehnen. Wir sollten nicht eher ruhen, als bis der schadenbringende Irrtum aus unserem Denken ausgetrieben und durch eine geistige Wahrheit ersetzt worden ist. Die Heilung stellt sich ein, wenn unser Denken mit der Wahrheit, daß der Mensch der Ausdruck Gottes ist und daß sein Leben im Geist ruht, in Einklang gebracht wird.
Christus Jesus gebrauchte einmal ein Gleichnis, um zu zeigen, daß es nicht genügt, das Denken von unwillkommenen Irrtümern zu reinigen. Sie müssen ausgetrieben und durch geistige Ideen ersetzt werden. „Wenn der unsaubere Geist von dem Menschen ausgefahren ist, so durchwandelt er dürre Stätten, sucht Ruhe und findet sie nicht. Da spricht er denn: Ich will wieder umkehren in mein Haus, daraus ich gegangen bin. Und wenn er kommt, so findet er's leer, gekehrt und geschmückt. Dann geht er hin und nimmt zu sich sieben andere Geister, die ärger sind als er selbst; und wenn sie hineinkommen, wohnen sie allda; und es wird mit demselben Menschen hernach ärger, als es zuvor war.“ Matth. 12:43–45. Wenn wir nicht wachsam darauf bedacht sind, uns den wahren Begriff von Gesundheit klarzumachen und unser Denken mit Wahrheit und Liebe zu erfüllen, kehrt der Teufel zurück; und es mag sich erweisen, daß es sehr viel schwieriger ist, mit dem sich daraus ergebenden Zustand fertig zu werden.
Eine bessere Annahme ist oftmals der erste Schritt aus dem Irrtum heraus. Aber wir dürfen es in unserer Demonstration nicht dabei bewenden lassen. Wenn die Wahrheit von der unantastbaren Vollkommenheit und Gesundheit des Menschen das Bewußtsein mit christlicher Überzeugung durchflutet, sind wir vollständig geheilt. Schritt für Schritt werden wir die geistige Tatsache beweisen können, daß der Mensch und seine Gesundheit untrennbar sind.
