„Ich glaube, ich halte die Heilung meiner Tochter auf. Es geht ihr nicht besser. Vielleicht sollte ich mit ihr zu einem Arzt gehen.“
Am anderen Ende der Leitung spürte der Ausüber der Christlichen Wissenschaft die tiefe Besorgnis der Mutter um ihre Tochter, und er empfand großes Mitgefühl für beide.
„Es steht Ihnen natürlich frei“, sagte er, „die Behandlung für Ihre Tochter in Anspruch zu nehmen, die Sie wünschen. Wenn Sie also zum Arzt gehen möchten, so ist das Ihre Sache. Und ich werde mich dann sofort von dem Fall zurückziehen.“
Es entstand eine Pause, und der Ausüber fügte hinzu: „Aber wissen Sie, an Ihrer Stelle würde ich nicht sagen, daß Sie die Heilung aufhalten. Schließlich bin ich ja hier der Ausüber, nicht Sie.“
Sie lächelte. „Das stimmt.“
Er fuhr fort: „Helfen Sie aber wirklich Ihrer Tochter, wenn Sie sich mit solchen Gedanken beschäftigen?“
Die Mutter mußte zugeben, daß es nicht der Fall war. Die Furcht, nicht genug von der Christlichen Wissenschaft zu verstehen, um mit dem Ausüber bei der Heilung ihrer Tochter in dieser besonderen Situation zusammenarbeiten zu können, hatte sie überwältigt. Ihre Tochter hatte einen Hautausschlag, der sich über den ganzen Körper ausbreitete.
Der Ausüber fragte die Mutter, ob sie die Angelegenheit noch weiter durchsprechen wolle. Sie bejahte es, und so fuhr er am gleichen Abend zu ihr nach Hause. Viele langgehegte, falsche Vorstellungen der Mutter über das christlich-wissenschaftliche Heilen wurden ans Licht gebracht und besprochen.
Allmählich ließ die Furcht der Mutter nach. Sie entschloß sich, keine medizinische Behandlung in Anspruch zu nehmen, sondern bat den Ausüber, ihre Tochter weiter zu behandeln. Als er wieder nach Hause fuhr, wußte er, daß sie nun wirklich alle zusammenarbeiteten. Er betete insbesondere, daß er die Wahrheit über jede von der Mutter geäußerte falsche Vorstellung erkennen möge. Über Nacht besserte sich der Zustand der Tochter, und innerhalb kurzer Zeit war sie völlig geheilt.
Zugegeben, viele Heilungen in der Christlichen Wissenschaft finden ohne das alles statt — und ohne die Dienste eines Ausübers der Christlichen Wissenschaft. Wenn sich aber eine Heilung verzögert, sollte sich derjenige, der einen Ausüber um Hilfe gebeten hat, fragen, ob er wirklich seinen Teil dazu beiträgt, die Heilung zu fördern.
Es bedeutet weit mehr, als nur die von dem Ausüber genannten Stellen zu lesen und ihm über den täglichen Fortschritt zu berichten, wie wichtig dies auch ist. Wirksame Zusammenarbeit schließt eine ehrliche Prüfung des eigenen Denkens ein.
Nimmt z. B. der Hilfesuchende — so gut er es seinem Verständnis entsprechend kann — die für ihn geleistete Arbeit und die Wahrheitsgedanken, die der Ausüber mit ihm teilt, betenden Herzens und erwartungsvoll an? Betet er selbst gewissenhaft über der Situation? Öffnet er sein Denken für das wahre, gesunde Wesen Gottes und des Ausdrucks Gottes, des Menschen? Bemüht er sich, die heilenden Wahrheiten des geistigen, vollkommenen Daseins zu verstehen?
Oder widersetzt er sich der Heilung oder bekämpft sie sogar durch sein starres Festhalten an irgendwelchen falschen Vorstellungen über Gott und den Menschen? Oder möglicherweise tritt er nicht mutig allen Furchtgedanken entgegen, von denen er sich beeinflussen läßt. Oder vielleicht bezweifelt er Gottes Fähigkeit, zu heilen, die Jesus so wirkungsvoll demonstrierte.
Die Arbeit des Ausübers zu unterstützen heißt, für den heilenden Christus, die Wahrheit, empfänglich zu sein. Jesus stellte denen, die von ihm geheilt werden wollten, manchmal Fragen, um festzustellen, wie empfänglich sie für das waren, was er lehrte, nämlich den Christus. Er muß gewußt haben, daß beim Heilen die Empfänglichkeit des Heilungsuchenden eine große Rolle spielte. „Glaubt ihr, daß ich euch solches tun kann?“ fragte er zwei Blinde. Sie erwiderten: „Herr, ja.“ Matth. 9:28; Und dann heilte er sie. Zuerst wurde ihr Denken und dann wurden ihre Augen geöffnet.
Der heilende Christus ist heute genauso gegenwärtig und wirksam wie zu Christi Jesu Zeiten. Wenn derjenige, der die Hilfe eines Ausübers benötigt, für den Christus empfänglicher wird, trägt er zur Heilung bei. Warum? Weil eine größere Erkenntnis und Assimilation der Wahrheit den einzelnen niemals dort lassen, wo sie ihn gefunden haben. Sie offenbaren mehr von seinem wahren, gottverliehenen, geistigen Wesen und machen ihn moralisch, geistig und körperlich frei.
Der Christus kommt zum menschlichen Bewußtsein und offenbart Gott als göttliche Liebe, als den Hirten, der immer vollkommen und reichlich für die Seinen sorgt. Der Christus enthüllt Gott als unendlichen, immer gegenwärtigen Geist, der Seine geistige Kundwerdung stets bewußt erhält. Der Christus enthüllt Gott als allmächtige und ewige Wahrheit. Und so ist der Mensch, zum makellosen Ebenbild Gottes, der göttlichen Liebe, geschaffen, jederzeit versorgt, immer geliebt und beschützt. Als das Ebenbild des unendlichen Geistes, der Wahrheit, ist er geistig, nicht materiell; unverletzlich, nicht empfindlich; unversehrt, nicht krank.
Wenn sich der einzelne dieses christusgleiche Verständnis aneignet, hilft er sich selbst, denn er vergeistigt sein Bewußtsein. Diese Vergeistigung, die das Alte hinausfegt und dem Neuen Raum gibt, vertreibt Furcht, berichtigt falsche Vorstellungen und beseitigt Zweifel. Er kann dann viel klarer seine geistige Identität als das geliebte Kind Gottes erkennen — gesund und frei. Solche Empfänglichkeit für den Christus bringt Heilung.
Im Falle von Kindern ist es, wie das Beispiel zu Anfang veranschaulicht, hauptsächlich das Denken der Eltern, das der Vergeistigung und eines tieferen Verständnisses von dem Christus bedarf. Was den Ausüber betrifft, so kann er ganz gewiß nicht müßig sein und dem Patienten die ganze Arbeit überlassen. Er sollte viel beten, um selbst für die Wahrheit empfänglicher zu sein, um selbst klarer zu erkennen, was ihm der Christus beständig über Gottes Allmacht und Allgegenwart mitteilt.
Mary Baker Eddy schreibt: „Die Gedanken des Ausübers sollten durchdrungen sein von einer klaren Überzeugung von der Allmacht und Allgegenwart Gottes — davon, daß Er Alles-in-allem ist und daß es außer Ihm nichts geben kann; daß Gott das Gute ist und nur Gutes erzeugt; und daß daher alles, was gegen Gesundheit, Harmonie und Heiligkeit streitet, widerrechtlich Anspruch auf den Thron des Beherrschers der ganzen Menschheit erhebt.“ Grundzüge der Göttlichen Wissenschaft, S. 9;
Da sich der Ausüber dies im Gebet vergegenwärtigen sollte, ist es gut, wenn der Patient das gleiche tut. Diese Art geistigen Folgerns hilft uns im Denken ausfindig zu machen, was „widerrechtlich Anspruch“ erhebt und unsere natürliche Empfänglichkeit für den Christus trüben möchte.
Auch wenn uns körperliche Symptome übermächtig erscheinen, können wir uns wie eine mir bekannte Großmutter verhalten. Sie war sehr besorgt wegen eines schmerzhaften Zustands, an dem ihr Enkelsohn litt, doch als sie den Ausüber um Hilfe bat, sagte sie, sie benötige nur eine einzige Behandlung.
Dieser Glaube an eine christlich-wissenschaftliche Behandlung beruhte nicht auf dem Vertrauen zu einem bestimmten Ausüber, da sie ihn nie zuvor gesehen noch jemals von ihm gehört hatte. (Sie waren durch Gebet zueinander geführt worden.) Vielmehr beruhte ihr Glaube auf einer „klaren Überzeugung von der Allmacht und Allgegenwart Gottes“, auf dem Verständnis, daß Gott heilt — und zwar am besten heilt. Und damit basta. Kein Wenn und Aber. Wenige Minuten nachdem der Ausüber zu beten begonnen hatte, war das Kind vollständig und auf die Dauer geheilt.
Jede Heilung in der Christlichen Wissenschaft — ob wir nun Hilfe empfangen oder unser eigener Ausüber sind — kann genauso rasch erfolgen. Wenn ein Ausüber den Fall übernommen hat und das Denken des Patienten für eine größere Erkenntnis von Gottes Allmacht und steter Gegenwart empfänglich ist, hilft der Patient, die Heilung herbeizuführen, denn er läßt den Christus, die Wahrheit, sein Bewußtsein durchfluten. Er zeigt mehr Vertrauen und ist eher bereit, sich mit langgehegten Befürchtungen, falschen Vorstellungen und Zweifeln auseinanderzusetzen und sie zu zerstören.
Er kann dann erwarten, einen schnellen, sichtbaren Beweis christlichen Heilens zu erleben. Und er kann wie David frohlocken: „Dein, Herr, ist die Majestät und Gewalt, Herrlichkeit, Sieg und Hoheit.. . Nun, unser Gott, wir danken dir und rühmen deinen herrlichen Namen.“ 1. Chron. 29:11, 13.
