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„Du wirst sein wie der Morgen“

Aus der Oktober 1977-Ausgabe des Herolds der Christlichen Wissenschaft


Vor einiger Zeit beschäftigte mich tagelang eine Verheißung aus dem Buch Hiob. Der Gedanke „Du wirst sein wie der Morgen“ Hiob 11:17 [n. der engl. Bibel]; kam mir immer wieder in den Sinn. Schließlich begann ich wirklich auf seine tiefere Botschaft zu lauschen.

Ich wohnte damals im elften Geschoß eines Mietshauses. Mein Schlafzimmerfenster ging nach Osten, und ich konnte von dort den herrlichen Himmel von Colorado sehen. Eines Morgens, als diese biblische Verheißung mich ganz erfüllte, beobachtete ich, wie die Dunkelheit dem ersten fahlen Grau des Morgens wich und dann in Schattierungen von Rosa und Blau überging. Still wie die Dämmerung prägte sich mir eine neue Idee ein, und ich erkannte etwas von dem Geheimnis des erstehenden Morgens: den unablässigen, mühelosen Vorgang des Weichens — wie die Dunkelheit dem immer heller werdenden Licht weicht. Neuheit und atemberaubende Schönheit waren das Ergebnis dieses Weichens.

In Wissenschaft und Gesundheit schreibt Mrs. Eddy: „Die Sonne ist eine bildliche Darstellung der Seele, außerhalb des Körpers, die dem Universum Existenz nd Intelligenz verleiht.“ Wissenschaft und Gesundheit, S. 510; Ich sah jetzt die Frische des Morgens als einen bildlichen Ausdruck für das menschliche Bewußtsein, das Frische und Schönheit bekundet, wenn es dem Licht und der Macht der Seele Raum gibt — jenem hellen Licht außerhalb des Körpers, das jedem Kind Gottes „Existenz und Intelligenz“ verleiht.

Die Christliche Wissenschaft enthüllt die Tatsache, daß der Mensch in seinem wahren, von Gott hergeleiteten Wesen immer den Strahlenglanz der Seele, Gottes, widerspiegelt. Das Verständnis dieser göttlichen Beziehung zwischen Gott und dem Menschen bewahrt uns unsere fortwährende Frische und Schönheit. Dieses Weichen, diese völlige Hingabe an Gott, erleuchtet unseren Pfad und macht ihn weniger beschwerlich. Haben wir solche Dinge wie unbesonnene Ansichten, auf schwachen Füßen stehende Überzeugungen und starre Annahmen über uns selbst, unseren Nächsten und unseren Schöpfer fallenlassen? „Wie der Morgen“ sein heißt, der Güte Gottes, der unvorstellbaren Herrlichkeit, die immer vorhanden ist, Raum zu geben.

Und was ist das Wesentliche an Gottes Güte? Ist es nicht Seine Liebe? Diese Liebe der Liebe segnet die ganze Erde und alle ihre Geschöpfe; der Mensch als die Widerspiegelung Gottes kennt die Liebe der Liebe in ihrer ganzen Fülle. Mit biblischer Autorität und wissenschaftlicher Gewißheit macht die Christliche Wissenschaft „Liebe“, mit einem fettgedruckten Anfangsbuchstaben, schlechthin zu einem Synonym für Gott. Auf diese Weise enthüllt sie die Liebe als über allem erhaben — als eine unumstrittene Tatsache, die keinen Widerstand findet. Die Liebe der Liebe kennt weder Bevorzugung noch Vorurteil und scheint auf alle mit Güte und Wärme.

Jesus betonte immer wieder bei allem, was er sagte und tat, das allumfassende Wesen der Liebe. Er bestand darauf, daß die Menschen Gott und einander liebten. Er forderte uns auf, auch die andere „Backe“ hinzuhalten, mit jemandem die zweite Meile zu gehen, andere so zu behandeln, wie wir selbst gern behandelt werden möchten, und zu vergeben — immer wieder zu vergeben. Jesus war unermüdlich und unerschütterlich in seinem Verlangen, uns zu zeigen, daß der Himmel nur durch Liebe erreicht werden kann.

Es ist interessant festzustellen, daß, wenn wir den Forderungen der Liebe nachkommen, die edle Gesinnung und die Demut, die erforderlich sind, um einander zu lieben, wie ein Katalysator auf den Strom der göttlichen Ideen wirken, die Gott uns stets mitteilt. Gesteigerte Leistungsfähigkeit und neue Gelegenheiten, das Gesetz der Liebe zu erfüllen, sind ein sichtbarer Beweis für das Vorhandensein dieses Stromes. Wenn wir der christlichen Forderung, zu lieben, nachkommen — unsere Feinde und unsere Freunde zu lieben, den Fremden in unserer Mitte und auch unseren nächsten Angehörigen zu lieben —, stellen wir fest, daß sich der Schatz der Inspiration der Liebe erweitert und alle einschließt.

Es ist nicht nur wesentlich, daß wir lernen, tatkräftig und ehrlich zu lieben; es ist für unser Wohlbefinden gleichermaßen wichtig, daß wir jeder Versuchung widerstehen, auch nur eine Spur von Haß zu hegen. Haß verbirgt sich oft unbemerkt hinter einer kühlen Gleichgültigkeit anderen gegenüber oder hinter falschem Urteil, unkluger Kritik oder verderblichem Neid und Selbstgerechtigkeit. Ehe wir die Wärme und Freude der Liebe fühlen können, müssen diese negativen Denkgewohnheiten dem hellen Licht der Liebe, der Seele unseres Seins, weichen. Wir zahlen einen schrecklichen Preis, wenn wir es uns erlauben, zu übersehen oder zu vergessen, daß wir solche Gewohnheiten ablegen müssen. Mrs. Eddy erklärt: „Hasset niemanden, denn Haß ist wie eine Pestbeule, die ihr Gift verbreitet und schließlich tötet. Wenn wir ihm nachgeben, überwältigt er uns und verursacht seinem Träger Leiden über Leiden zu dieser Zeit und über das Grab hinaus.“ Vermischte Schriften, S. 12;

Neulich hatte ein mir bekannter junger Mann ein schönes Erlebnis, als er sich durch dieses Licht der Liebe erhob, um die Versuchung, selbstgerecht und ärgerlich zu sein, zu überwinden. Er war das Ziel einer Intrige, die hinterlistig ausgedacht und grausam in die Tat umgesetzt worden war. Weil er von denen, die er liebte und denen er vertraute, ganz unerwartet den Schlag versetzt bekam, argumentierte die Selbstgerechtigkeit, daß er sich tief verletzt fühlen müsse. Die Eigenliebe flüsterte ihm ein, daß er etwas, was ihm lieb und teuer war, verloren habe. Der Eigensinn bestand darauf, daß er Böses mit Bösem vergelten solle. Der junge Mann war über die Intensität des Hasses erstaunt, wo er doch vorher nur Liebe gekannt hatte.

Alle diese verführerischen Suggestionen wurden zum Schweigen gebracht. Sie wurden als herabziehende, unheilvolle Einflüsse erkannt. Er entschloß sich, sich dem Licht zuzuwenden und zu lieben. Die folgenden Worte Mrs. Eddys stärkten ihn:

Herz, harre aus: für Haß lieb um so mehr!
Gott ist ja gut, Verlust ist segenschwer. ebd., S. 389;

Natürlich entschloß er sich nicht, die Bosheit zu lieben. Aber er entschloß sich tatsächlich, seine ehemaligen Freunde zu lieben. Er wußte, daß er dies nur tun konnte, wenn er sich von dem grotesken Bild abwandte, daß sie willige Werkzeuge des Neides, der Furcht und Hinterlist seien. Als er darüber nachdachte, welch leuchtendes Beispiel der Liebe Christus Jesus uns gab, war er ständig in tiefer Demut bemüht, sich als einen vollständigen, individuellen Ausdruck der Liebe und Intelligenz zu sehen. Er erkannte klar, daß sein Charakter aufrichtig, sein Motiv rein und daß er anderen gegenüber liebevoll war. Eines Tages rief er aus: „Es ist einfach unnatürlich zu hassen! Ich kann sie nicht hassen. Ich liebe sie, und ich kann durch diese Maskerade nicht getäuscht werden.“

Obgleich noch immer jedes Angebot der Freundschaft auf trotzige Zurückweisung stieß, stand doch die Unschuld meines Bekannten außer Frage. Er war viel zu sehr damit beschäftigt, sich der Güte Gottes zu freuen, als daß er hätte in einer krankhaften mentalen Atmosphäre verweilen können. Die Reinheit seiner Liebe zeigte sich in einem strahlenden Gesicht sowie darin, daß er rasch und leicht neue Freunde gewann, neue Herausforderungen annahm und seinen Horizont zu erweitern suchte. Seine mannigfaltigen Tätigkeiten waren von Erfolg gekrönt. Darüber hinaus konnte er einigen seiner neuen Freunde, die große Sorgen hatten, Mut zusprechen.

Es wurde mir ganz klar, daß dieser junge Mann nicht bereit gewesen wäre, Freude, Freiheit und Erfolg zu erleben, wenn er Haß, Groll oder Bitterkeit gehegt hätte. Ich mußte an die Worte des Johannes denken: „Wenn wir uns untereinander lieben, so bleibt Gott in uns, und seine Liebe ist völlig in uns.“ 1. Joh. 4:12.

Das obige Erlebnis ist nur ein winziger Tropfen in dem Ozean des Weltgeschehens, doch es ist allumfassend in seiner Anwendbarkeit. Die Liebe, die die Betrachtungsweise meines Bekannten erhob und die Bürde von ihm nahm, überlistet und verächtlich behandelt worden zu sein, ist dieselbe Liebe der Liebe, die uns in jeder menschlichen Situation zur Verfügung steht. Wir tun gut daran, uns zu vergegenwärtigen, daß die Liebe ihrem Wesen nach die Forderung in sich schließt, ihr die Herrschaft zu überlassen. Inmitten der turbulenten Ereignisse in der Welt, wo Haß, Gewalttätigkeit und egoistische Gleichgültigkeit gegenüber einem großen Teil der menschlichen Leiden so augenscheinlich sind, scheint es uns schwerzufallen, wenn nicht gar unmöglich zu sein, dieser gebieterischen Forderung nachzukommen. Aber die Liebe, die unseren Gehorsam verlangt, ist die Liebe, die uns liebt. Wenn wir uns an die Liebe wenden, wird sie uns ganz gewiß helfen, unsere törichten Wege zu verlassen und dem Licht des göttlichen Gemüts Raum zu geben. Sie wird uns bestimmt helfen, mit einer allumfassenden Liebe zu lieben. Sie wird uns bestimmt helfen, „wie der Morgen“ zu sein.

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