Jede Lektionspredigt, die im Vierteljahrsheft der Christlichen Wissenschaft — Bibellektionen veröffentlicht wird, bildet eine Einheit. Die Bibelzitate (nach der Lutherbibel, revidierte Ausgabe 1984) werden durch Stellen aus dem Lehrbuch der Christlichen Wissenschaft, Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift von Mary Baker Eddy, bestätigt und erklärt. Der Herold veröffentlicht verschiedene Anmerkungen und Kommentare, um den Lesern die vielseitigen Möglichkeiten aufzuzeigen, wie sie selbst weiterforschen können.
Liebe
4. Februar
Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf. (1. Kor 13:4)
„Das Hohelied der Liebe“ gehört mit zu den schönsten Kapiteln des NT. Barclay schreibt darüber u. a.: „Die Liebe ist langmütig. Das griechische Wort makrothymein, das dafür im Neuen Testament gebraucht wird, bezieht sich ausschließlich auf die Geduld, die Menschen entgegengebracht wird, nicht auf solche gegenüber gegebenen Verhältnissen. Chrysostomos, der größte Prediger der griechischen Kirche im 4. Jahrhundert, hat dazu gesagt, dieses Wort werde immer dann benutzt, wenn einem Menschen Unrecht geschehen sei und es durchaus in dessen Macht stehe, sich zu rächen, er davon aber keinen Gebrauch mache. Langmut ist das Wort, das für alle Menschen gilt, die sich nur sehr schwer erzürnen lassen; es ist auch das Wort, das das Verhältnis Gottes zu den Menschen kennzeichnet. ...Die Liebe treibt nicht Mutwillen. Ein Kennzeichen echter Liebe ist, daß sie selbst in den Hintergrund tritt.“
Geist
11. Februar
Denn wir warten im Geist durch den Glauben auf die Gerechtigkeit, auf die man hoffen muß. (Gal 5:5)
Dieser Vers drückt in der Übersetzung der GN deutlich mehr Selbstverstädlichkeit, ja Gewißheit aus: „Wir dagegen verlassen uns allein auf das, was Gott für uns getan hat. Weil wir seinen Geist erhalten haben, hoffen wir fest darauf, daß wir vor seinem Urteil bestehen werden.“
Und Gott wirkte nicht geringe Taten durch die Hände des Paulus. Es unterstanden sich aber einige von den Juden, die als Beschwörer umherzogen, den Namen des Herrn Jesus zu nennen über denen, die böse Geister hatten... (Apg 19:11, 13–17)
In einer Fußnote zu diesen Versen berichtet die StEB: „Die Gabe der, Zeichen und Wunder‘ läßt sich nicht ablösen vom Glauben der Verkündiger und vom Glauben, der duch Verkündigung geweckt wird; nur durch den Glauben und nur an Glaubenden tut Gott durch Jesus Christus sein Werk. Der Name Jesu läßt sich nicht aus dieser Beziehung herauslösen und als Zauberformel mißbrauchen.“
Seele
18. Februar
Wir warten auf dich, Herr, auch auf dem Wege deiner Gerichte; des Herzens Begehren steht nach deinem Namen und deinem Lobpreis. (Jes 26:8)
Mit dem Begriff „Gerichte Gottes“ verbinden die Menschen leicht eine Vorstellung von einem strafenden Gott. Die WStB erklärt, daß damit vielmehr Züchtigung (Erziehung) gemeint ist: „ ... wer sich beugt unter der Züchtigung des Herrn, der ist gerecht! Denn weil Gottes Gerichte gerecht sind, sind auch die gerecht, die diese Gerichte annehmen! Wer im Gericht nicht aufhört, auf Gott zu hoffen, ist gerecht. Wir sehen, wie ein bekanntes atl. Wort durch die Prophetie eine ungeahnte Tiefe erhält.“ Der Begriff „Züchtigung“ enthält das Wort „Zucht“. Bei der Aufzucht von Pflanzen werden z. B. Triebe entfernt, die das Wachstum hindern. Das kann auch im übertragenen Sinne verstanden werden: durch Züchtigung verhindert Gott, daß der Mensch sich in der falschen Richtung entfalten kann.
Gemüt
25. Februar
Wo will man aber die Weisheit finden ? Und wo ist die Stätte der Einsicht? (Hiob 28: 12)
Diese Frage Hiobs haben sich Christen immer wieder gestellt. Im Vorwort zum Buch Hiob sagt die ScB: „HIOB ist das erste der Bücher de Weisheit in dem Kanon des AT; die anderen Bücher sind Sprüche und Prediger. Die Literatur der Weisheit, deren Beispiel im NT der Brief des Jakobus ist, handelt von dem weiten Gebiet der menschlichen Erfahrung und besteht in kurzen, kräftigen Aussprüchen (Sprichwörtern) oder in Abhandlungen, Monologen (Selbstgesprächen) und, wie bei Hiob, in einer dramatischen Darstellung. Wenn auch das Buch den Verfasser nicht nennt, so bezeichnen doch Hes 14,14.20 und Jak 5,11 Hiob als eine historische Persönlichkeit. ... Der Gegenstand des Buches Hiob ist Gottes vorausschauende und gerechte Regierung, die in dem Licht des uralten Problems von dem Leiden des Gerechten betrachtet wird.“ Da das Böse keine Grundlage hat, konnten weder Hiob, noch seine Ratgeber eine Antwort finden. Erst als Hiob Gottes Allerhabenheit erkannte, wurde er frei von allem Leiden.
Wir aber haben nicht empfangen den Geist der Welt, sondern den Geist aus Gott, daß wir wissen können, was uns von Gott geschenkt ist. Denn, wer hat des Herrn Sinn erkannt, oder wer will ihn unterweisen’ ? Wir aber haben Christi Sinn. (1. Kor 2: 12, 16)
Hfa macht deutlich, daß der Mensch nicht auf den geistigen Sinn warten muß, sondern ihn bereits besitzt: „Als Christen haben wir nicht den Geist dieser Welt bekommen, sondern den Geist Gottes. Und deshalb können wir auch erkennen, was Gott für uns getan hat.“ Von dieser verfügbaren Gabe Gottes spricht auch Vers 16 in der GN: „Es heißt ja: ‚Wer kennt den Geist des Herrn? Wer will sich herausnehmen, ihn zu belehren?‘ Und wir haben diesen Geist!“
Abkürzungen
Barclay = William Barclay, Auslegung des Neuen Testaments
Bruns = Hans Bruns, Die Bibel mit Erklärungen
Hfa = Hoffnung für alle
ScB = Scofield-Bibel
StEB = Stuttgarter Erklärungsbibel
WStB = Wuppertaler Studienbibel
