Gehörst Du Zu einer Clique von Freunden? Wenn ja, verbringt ihr wahrscheinlich viel Zeit miteinander — während der Schule, nach der Schule und am Telefon. Und ihr lacht über Dinge, die nur du und deine besten Freunde verstehen. Wahrscheinlich tragt ihr ähnliche Klamotten, redet ähnlich und seid euch in den meisten Dingen einig.
Was machst du aber, wenn die, mit denen du so viel zusammen bist und mit denen du mehr Spaß hast als mit sonst jemand, etwas tun, was du nicht so toll findest? Einmal war ich mit meinen besten Freunden — ich kenne diese Jungen schon seit vielen Jahren — in einem Geschäft, und sie stahlen dort Ohrringe, die sie einigen Mädchen schenken wollten. Als sie mir die Ohrringe zeigten, bekam ich ein ziemlich flaues Gefühl im Magen. Ich wußte, daß ich in den Augen der Polizei mitschuldig war, weil ich beim Diebstahl dabeigewesen war. Und irgendwie war mir klar: Wenn ich diesmal mitmachte, würde ich mich an das Schuldgefühl gewöhnen, und bald würde ich's dann mit der Ehrlichkeit nicht mehr so genau nehmen. Bei dem Gedanken fühlte ich mich gar nicht wohl.
Mit diesen Jungen verbrachte ich fast meine ganze Freizeit. Ja, meine Eltern sagten sogar, ich sei viel zu oft mit ihnen zusammen! Wir halfen uns gegenseitig, spielten Fußball zusammen und alberten und lachten immerzu. Was sollte ich nur ohne sie tun? Plötzlich war alles anders geworden. Daß mir so viel daran lag, ehrlich zu sein, konnten sie einfach nicht verstehen.
Ehrlichkeit ist nun einmal wichtig für mich. In der Kirche, in die ich gehe — die Kirche der Christlichen Wissenschaft —, habe ich gelernt: „Ehrlichkeit ist geistige Kraft. Unehrlichkeit ist menschliche Schwachheit, die die göttliche Hilfe verwirkt.“ Wissenschaft und Gesundheit, S. 453. So schrieb Mary Baker Eddy in Wissenschaft und Gesundheit, und ich glaube das auch. Göttliche Hilfe bedeutet, daß Gott hilft. Was ich über Gottes Hilfe gelernt habe, hat mein Interesse für das geweckt, was die Bibel über Christus Jesus sagt — und was Jesus den Menschen ans Herz legte.
Er sagte einmal: „Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden.“ Mt 5:6. Das ist eine der Seligpreisungen aus dem Matthäusevangelium in der Bibel. Gerechtigkeit ist hier ein Handeln, das mit dem Willen Gottes übereinstimmt, und in dieser Bedeutung wird das Wort heute recht selten gebraucht. Doch ist es immer noch wichtig. Jemand, der nach Gerechtigkeit hungert, ist bestrebt, fair und gerecht zu sein, und gibt sich größte Mühe, das Rechte zu tun. Ehrlichkeit gehört dazu, wenn man fair und gerecht sein und anderen — wie auch sich selbst — gegenüber recht handeln will. Ich habe genauso einen Hunger danach, mehr über Gott — und Ehrlichkeit — zu lernen, wie ich manchmal Hunger auf einen Cheeseburger habe! Nein, eigentlich ist der Hunger noch größer als auf einen Cheeseburger! Und weil Ehrlichkeit geistige Kraft ist, weiß ich: Gott will, daß ich ehrlich bin.
Und was Gott für mich will, ist im Grunde auch das, was ich will. So beschloß ich, nicht mehr mitzumachen, wenn meine Freunde sich auf dumme Dinge einließen. Ich wollte mich von ihnen fernhalten, bis sie mit dem Stehlen aufhörten. Ich halte mich nicht für besser als sie, doch bedeutet mir Ehrlichkeit mehr als die Anerkennung dieser Jungen, mehr sogar als ihre Kameradschaft, obwohl es mir nicht leichtfiel, darauf zu verzichten.
Sie meinten tatsächlich, ich sei der Dumme, und sagten mir das auch. Doch was geschah? Als sie abends auf einer Party den Mädchen die Ohrringe gaben, wußten die gleich, daß sie gestohlen waren. Ein Mädchen fing an zu weinen. Meine Freunde beschlossen, die Ohrringe am nächsten Tag zum Geschäft zurückzubringen.
Wir sind immer noch ziemlich eng miteinander befreundet. Doch ich treff" mich jetzt nur mit einigen von ihnen, und zwar mit denen, die mich nicht zwingen wollen, etwas zu tun, was ich nicht will. Ich habe auch neue Freunde gefunden, deren Verhalten ich respektiere und mit denen ich sehr gern zusammen bin. Mit den anderen rede ich ab und zu, und wenn sie damit aufhören, solch dumme Dinger zu drehen, werden wir bestimmt wieder so eng befreundet sein wie zuvor.
Ich kenne deine Werke.
Siehe, ich habe vor dir eine Tür aufgetan,
und niemand kann sie zuschließen;
denn du hast eine kleine Kraft
und hast mein Wort bewahrt
und hast meinen Namen nicht verleugnet.
Offenbarung 3:8
