
Editorials
Die Christian Scientisten werden oft gefragt, weshalb sie so viel Gewicht auf die Krankenheilung legen und weshalb sie dieser Arbeit so viel Zeit widmen. Wer derartige Fragen stellt, hat offenbar die große Wahrheit noch nicht erfaßt, daß das Heilen des Kranken ebensowohl zur christlichen Religion gehört wie die Bekehrung des Sünders; daß die Christian Scientisten nichts andres beabsichtigen, als in den Fußtapfen dessen zu wandeln, der umherging „im ganzen galiläischen Lande, lehrete in ihren Schulen, und predigte das Evangelium von dem Reich, und heilte allerlei Seuche und Krankheit im Volk.
Es fehlt gewiß nicht an Leuten, welche behaupten unbedingt an die Bibel zu glauben. Wenn wir aber ihre Handlungen mit dieser Behauptung in Einklang zu bringen suchen, so finden wir, daß es sehr auf den Gesichtspunkt des Einzelnen ankommt — daß bei vielen der Glaube an die Bibel nichts weiter ist als ein Glaube an ihre eigne Auslegung der Bibel.
Wenn der Anfänger im Studium der Christian Science im Zweifel ist über den wahren Zweck und die richtige Form des Gebetes, so ist das nur begreiflich. Er hat eingesehen, daß seinem Gebet bisher vieles angehaftet hat, was widersinnig und unrichtig ist; daß es unnötig ist, Gott zu bitten etwas zu tun, was Er von wegen Seiner Unveränderlichkeit ohnedies tun würde.
Ein Arzt wies neulich in einem Brief an eine New Yorker Zeitung darauf hin, wie verschiedenartig und grundlos die Furcht sei, welche, wie er erklärt, die Sterblichen von Kindheit an beherrsche. Ferner sprach er — wohl aus eigner Erfahrung —über die üblen Folgen der Furcht, die sich als physische und geistige Störungen kundtun, und betonte sehr die Notwendigkeit des Sieges über die Furcht.
Die Denker der neueren Zeit unterscheiden immer mehr zwischen der eigentlichen Wahrheit und den verschiedenerlei Ansichten über die Wahrheit. So schreibt z.
Die Worte des mosaischen Gesetzes: „Auge um Auge, Zahn um Zahn”, drücken Wiedervergeltung und Rache aus, während das Gesetz Christi die heilende Berührung bringt, welche von allen Sünden reinigt. Es ist das Gesetz, welches, wie Mrs.
Religion und Naturwissenschaft sind sich in der Regel darin einig gewesen, daß das materielle Weltall, samt allem, was es umfaßt, zu einer der Wissenschaft wie der Religion unbekannten Zeit vernichtet werden wird. Gewöhnlich hoffen jedoch die Menschen, daß dieser große Wechsel nicht zu ihren Lebzeiten stattfinden werde.
Davids Gebet: „Verzeihe mir die verborgenen Fehler”, scheint ganz besonders passend, wenn man bedenkt, wie schwer er gegen „das Licht”, gegen die von Mose verkündete Wahrheit gesündigt hatte, als er sagte: „Denn unsre Missetat stellest du vor dich, unsre unerkannte Sünde ins Licht vor deinem Angesichte. ” Wie unsre Väter, so müssen auch wir heute einsehen lernen, daß „nichts verborgen” ist, „das nicht offenbar werde, und.
Man hört zuweilen den Tadel, daß die Christian Science zuviel Gewicht auf das Heilen von Krankheit und zuwenig Gewicht auf das Heilen von Sünde lege. Nun gibt es aber zum mindesten zwei Gründe, warum eine solche Kritik unberechtigt ist.
Dadurch, daß die Christian Science auf der Wirklichkeit und Allheit des Guten besteht, hebt sie notwendigerweise das Gegenteil dieser Behauptung hervor, nämlich, die Unwirklichkeit und Nichtigkeit des Übels. Nun gibt es aber viele oberflächliche Kritiker, die bloß auf die Betonung der Nichtigkeit und Unwirklichkeit des Übels achten und dadurch zu dem Schluß gelangen, daß die Christian Science ein negatives System sei.