Eine meiner ersten Erfahrungen in der Christlichen Wissenschaft gab mir eine wunderbare Lehre im Glauben. Es war meine erste Demonstration ohne Hilfe eines Praktikers, und zwar wirkte sie so erleuchtend und überzeugend, daß ich seitdem mit allen meinen Problemen direkt zu Gott gegangen bin. Ich weiß jetzt, daß das Gebet des Glaubens bereits erhört ist. Man kann die biblischen Lehren über das Gebet nicht mißverstehen, wenn man sie im Lichte der Christlichen Wissenschaft liest. So lehrt z.B. das Buch der Bücher: „Ahes, was ihr bittet in eurem Gebet, glaubet nur, daß ihr's empfangen werdet,“ und hierauf folgt die ausdrückliche Verheißung, „so wird's euch werden.“ Dem Verständnis, das sich zu der Höhe emporschwingt, wo es sieht, daß es schon alles empfangen hat, wird es wahrlich niemals an der Erfüllung der Verheißung fehlen: „So wird's euch werden.“
Ich begann das Studium der Christlichen Wissenschaft, nachdem ich von einem Ohrenleiden geheilt worden war. Diese Heilung erfolgte binnen zwei Wochen dank der treuen Arbeit eines Praktikers. Bei der ersten Behandlung wurde in mir so sehr der Wunsch rege, mehr von dieser herrlichen Wahrheit zu erfassen, daß ich mir auf dem Heimweg ein Exemplar von Wissenschaft und Gesundheit kaufte, bis spät in die Nacht darin las und es dann tage-, ja wochenlang in jeder freien Minute in Verbindung mit der Bibel studierte. Ich hatte mich stets für einen Bibelkenner gehalten, sehe aber heute ein, daß ich nur an der Schwelle gestanden hatte, bis mich der „Schlüssel,“ den ich nun in der Hand hielt, in das innerste Heiligtum eintreten und die herrlichen Schätze der Wahrheit, „die köstliche Perle,“ finden ließ.
Wiewohl ich früher nicht im eigentlichen Sinne ein Invalide war, so hatte ich doch mehrere sogenannte chronische Leiden, die mich der Freiheit und des Wohlbefindens beraubten. Während ich dann die Christliche Wissenschaft eifrig studierte, wurde ein Leiden nach dem anderen aus meinem Bewußtsein ausgetilgt, und dementsprechend verschwanden natürlich auch die Krankheitserscheinungen. Vier Diphtheritisanfälle, häufige Mandelentzündungen und andere Halsleiden hatten in meinem Hals einen sehr schlechten Zustand hinterlassen. Behandlungen von verschiedenen Spezialisten verschafften mir nur vorübergehend Erleichterung, und man hielt sogar eine Operation infolge der ernsten Umstände für nicht ratsam.
Als ich daher eines Morgens mit all den mir bekannten Symptomen aufwachte, wußte ich ganz genau, was zu überwinden war. Ich wollte meinen eigenen Glauben und mein eigenes Verständnis auf die Probe stellen und kämpfte daher den ganzen Tag gegen den Feind. Trotzdem ging es mir immer schlechter, bis ich mich etwa um die Zeit des Abendbrotes dem sterblichen Sinn gemäß sehr elend fühlte. Als ich gerade dem Impuls nachgeben wollte, einen Praktiker um Hilfe anzurufen, fielen mir folgende Worte ein: „Euch geschehe nach eurem Glauben,“ und hierauf jene inspirierten Worte des Maleachi: „Prüfet mich hierin, spricht der Herr Zebaoth, ob ich euch nicht des Himmels Fenster auf tun werde und Segen herabschütten die Fülle.“ Da raffte ich meinen Mut zusammen und beschloß, so wie ich da in der Küche stand und während mir die Tränen über die Wangen liefen, mein Vertrauen auf Gott zu setzen, die stets gegenwärtige und allmächtige Liebe, und zwar direkt, absolut und ohne Vorbehalt, was auch immer die Folgen sein möchten. Von dem Augenblicke an fühlte ich mich wieder beruhigt, und als das Abendbrot aufgetragen wurde, setzte ich mich mit an den Tisch, um wenigstens zu tun, als ob ich äße, damit meine Angehörigen keine Furcht bekämen. Bald konnte ich ganz gut essen; und während ich so am Tische saß, wurde ich geheilt. Nicht nur der akute Anfall war überwunden, sondern der ganze Krankheitszustand im Hals und an den Mandeln war verschwunden, und als ich von Tisch aufstand, fühlte ich mich völlig frei. Ich war so überwältigt von dieser Demonstration, die mir die Kraft der Wahrheit über den Irrtum bewies, daß ich tagelang an nichts anderes denken konnte.
Seitdem sind mehr als zehn Jahre vergangen, und ich habe von dem Tage an bis heute nie wieder irgendwelche Halsschmerzen gehabt. Diese Erfahrung war mir ein Beweis, daß die göttliche Liebe nicht nur vorübergehend, sondern völlig und dauernd heilt. Sie bewies mir ferner, daß der Glaube eine tätige Funktion unseres bewußten Denkens ist, und daß wir ihn anwenden müssen, wenn wir wollen, daß er wachsen soll. Meine Freude und meine Dankbarkeit kannten natürlich keine Grenzen — meine Freude darüber, daß ich für die Stunde der Not die praktische Anwendbarkeit des Gebets des Glaubens und der göttlichen Liebe gelernt hatte, meine Dankbarkeit gegen unsere verehrte Führerin, Mrs. Eddy, für die Reinheit ihrer Gedanken, die es ihr möglich machte, den Christus, die Wahrheit, wahrzunehmen, und für all die Jahre, die sie liebevoll dem Dienste der Menschheit widmete und in denen sie wahrlich ihre selbstlose Liebe in hohem Maße bewieß. Ich bete aufrichtig und beständig, daß ich niemals vor irgendeiner Aufgabe zurückschrecken möchte, durch deren Erfüllung ich zur Weiterführung des Werkes, das sie so fest begründet hat, beitragen kann.
In meinem Herzen klingt beständig ein Lied des Lobes und Dankes, das ich am besten mit den Worten des Psalmisten ausdrücke: „Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes getan hat: der dir alle deine Sünde vergibt und heilet alle deine Gebrechen.“
Lakewood, Ohio, V.S.A.
