In ihrem Buch Wissenschaft und Gesundheit zollt Mrs. Eddy dem Heim einen Tribut, der wohl kaum schöner ausgedrückt werden könnte. Sie schreibt: „Das Heim ist der liebste Fleck auf Erden, und es sollte der Mittelpunkt, wenn auch nicht die Grenze der Neigungen sein.“ Wissenschaft und Gesundheit, S. 58 ;
In seiner absoluten Bedeutung ist das Heim völlig geistig, eine Idee im Bewußtsein, nicht eine Gemeinschaft der Sterblichen noch ein dreidimensionaler Bau, der mit persönlichem Besitz angefüllt ist. Das Heim ist etwas Individuelles, denn es ist die Entfaltung der Eigenschaften Gottes im Bewußtsein des einzelnen. Das Heim bringt die Beständigkeit, Weisheit, Fürsorge und den Schutz wahrer Vaterschaft zum Ausdruck. Es bekundet die Zärtlichkeit, Güte, Lieblichkeit und Schönheit wahrer Mutterschaft. Es schließt die Unschuld, das Vertrauen, die Beiehrbarkeit und den Gehorsam wahrer Kindschaft ein.
Jeder einzelne bringt die Idee Heim auf seine eigene charakteristische und einzigartige Weise zum Ausdruck. In einer Familie vereinigen sich die Auffassungen von Heim auf ganz natürliche Weise durch die geistige Einheit, die harmonischen Beziehungen zugrunde liegt. Jeder einzelne wird dadurch gesegnet, daß er sein eigenes Verständnis der Eigenschaften des Heims ausdrückt, und er wird durch die Beiträge der anderen bereichert.
Ob der Haushalt aus einer Person oder aus mehreren Personen besteht, die wesentlichen Elemente eines wahren Heims können in Harmonie und Vollständigkeit erkannt und demonstriert werden. Das Oberhaupt jedes Hauses ist unser Vater-Mutter Gott, das göttliche Prinzip, und Er ist immer gegenwärtig, liebt Seine Kinder und sorgt für sie. Dieser Vater unser aller bewahrt uns beständig vor Leid.
Wenn das göttliche Gemüt die führende Intelligenz im Heim ist, wird jedes Mitglied gewißlich auf dem Pfade der Güte geführt werden und alle seine wertvollen Bestrebungen erfüllt sehen. Da alle Mitglieder des Heims in Wirklichkeit die geliebten Kinder Gottes sind, die in Harmonie und Glückseligkeit wohnen, kann jeder beweisen, daß die unendliche Liebe der Liebe zärtlich den Haushalt umfängt und allen Wohlbehagen, Gesundheit und Frieden verleiht.
Der Christliche Wissenschafter ist täglich bestrebt, die geistigen Eigenschaften zum Ausdruck zu bringen, die Gott verherrlichen und jedes Mitglied des Haushalts erfreuen und inspirieren. Dadurch, daß er Gottes Hilfe und Seine Herrschaft über alles anerkennt, hat er ein Gefühl der Sicherheit, das darauf beruht, daß er die grundlegende Kraft des Geistes tatsächlich spürt, die sein Leben und sein Heim erhält.
Jeder sollte einen Zufluchtsort haben, der der Mittelpunkt seiner Neigungen ist und von dem sie ausströmen, um andere in sich immer mehr erweiternden Kreisen zu segnen. Ein Heim sollte Ruhe bieten. Jeder muß Gelegenheit haben, mit seinen Gedanken allein zu sein. Je größer die Familie ist und je größer die rein äußerlichen Anforderungen des Lebens sind, desto mehr müssen sich die Familienmitglieder in die Stille zurückziehen, in der sie sich für eine glücklichere Gemeinschaft untereinander und für harmonischere Beziehungen mit der Welt stärken können.
Ein Heim sollte schön sein. Wir alle können in unserer Umgebung Farbenfreudigkeit, Makellosigkeit und Geschmack walten lassen. Die Gnadengaben des Geistes kennen keine finanziellen Einschränkungen.
Ein Heim sollte Gastfreundschaft einschließen. Wenn wir das Gute, das wir besitzen, großzügig mit anderen teilen, werden uns die köstlichsten Segnungen des Lebens verliehen. Wenn wir Freunde und Bekannte in der Wärme unseres häuslichen Kreises willkommen heißen, um mit ihnen interessante Unterhaltung zu pflegen oder die Freude an der Kunst zu genießen oder auch nur, um die Atmosphäre des Friedens mit ihnen zu teilen, so bereichert das alle Beteiligten.
Der rechte Begriff von Heim muß vor den arglistigen Angriffen des Bösen eifrig beschützt werden, das versucht, seine Einheit und Unbeflecktheit zu unterhöhlen. Die modernen Denkrichtungen können den wachsamen Denker nicht mesmerisieren, dem Staat, der Schule oder den sozialen Einrichtungen die besondere Aufgabe zuzuweisen, den Charakter zu bilden und zu formen, eine Aufgabe, die ausschließlich das Heim zu erfüllen hat. Die Vater-und Mutterschaft Gottes muß in jedem Haushalt widergespiegelt werden. Wenn man das ganze menschliche Leben betrachtet, so ist die Zeit kurz, die die Kinder unter dem elterlichen Dach verbringen. Eltern haben die hohe Verpflichtung, diese Entwicklungsjahre zu einem starken Einfluß zu machen, der das Leben ihrer Nachkommen moralisch stärkt und bereichert. Jeder sollte auf die Jahre seines Heranwachsens zurückblicken können und aus seiner Erinnerung an die Zärtlichkeit, Weisheit und Selbstlosigkeit, die das Heim seiner Kindheit kennzeichnete, Kraft schöpfen.
In der heutigen Zeit, wo so viel Nachdruck auf ärztliche und hygienische Fürsorge für den Körper der Kinder und auf materielle Besitztümer und Bestrebungen zu ihrer materiellen Freude gelegt wird, müssen wir wachsam sein und dieses falsche Vertrauen und den falschen Anreiz abweisen, indem wir ihnen helfen, der wahren Substanz, der tiefen und anhaltenden Befriedigung, die durch eine geistige Erziehung erlangt wird, mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Wenn wir selbst für wahre Werte empfänglich sind, können wir als Eltern besser dazu beitragen, das Denken des jungen Menschen, der unserer Fürsorge anvertraut ist, zu schützen.
Gott ehrerbietig zu lieben und unseren Kindern einen konkreten Begriff von dem zu geben, was Gott ist, indem wir Seine Eigenschaften getreulich widerspiegeln, heißt ihnen den Weg zu Sicherheit und Glück zu zeigen. Es gibt keinen Ersatz für eine einwandfreie Richtschnur oder für unser eigenes Beispiel, wie man in den Fußtapfen Christi wandelt. Durch unsere offensichtliche Freude an den höheren Dingen des Lebens müssen wir zeigen, daß allein das Gute anziehend ist und befriedigt. Wenn unsere Kinder sehen, daß wir das Studium der Bibel und des Buches Wissenschaft und Gesundheit lieben, daß wir die Zeitschriften der Christlichen Wissenschaft mit Freude lesen, daß wir den regelmäßigen Kirchenbesuch und die Mitarbeit in der Kirche als eine beglückende und lohnende Tätigkeit empfinden und wir von ihnen erwarten, daß sie ebenfalls an diesen wesentlichen geistigen Interessen Gefallen finden —, so wird all dies ihnen helfen, für die Anziehungskraft des Geistes empfänglich zu sein und sich den Reichtum eines bedeutungsvollen Lebens zu sichern.
Wenn die erwachsenen Mitglieder einer Familie gewohnheitsmäßig herzlich, höflich und verständnisvoll sind, so erwidern die Kinder dies ganz natürlich mit Freundlichkeit und Rücksichtnahme. Wenn die Eltern ihrer Verantwortung bereitwillig nachkommen, übernehmen die Kinder willig ihre eigenen Verpflichtungen. Hegen die reiferen Mitglieder des Haushalts wertvolle, anregende intellektuelle und kulturelle Interessen, so entwickeln die jüngeren gewöhnlich einen guten Geschmack. In dem Maße, wie Eltern ihre Aufgabe, Kinder großzuziehen, lieben und ihr ihre besten Gedanken und Bemühungen widmen, wird das Heim in der Tat für alle, die darin wohnen, „der liebste Fleck auf Erden“.
Mrs. Eddy hegte eine große Liebe für die Idee Heim und seine menschliche Kundwerdung. Sie mußte in ihren jungen Jahren durch viele Schicksalsschläge wie Verlust, Einsamkeit und Mangel hindurchgehen, doch immer verlieh sie jedem Raum, in dem sie lebte, ihre eigene Lieblichkeit des Geistes und machte ihn zu einem Ort der Vornehmheit und Ordnung. Aus ihrer großen Erfahrung und Inspiration heraus erklärte sie ihrem Haushalt gegenüber: „Das Heim ist keine Örtlichkeit, sondern eine Macht. Wir finden unser Heim, wenn wir zu einem vollen Verständnis von Gott gelangen. Heim! Denken Sie nur! Wo die Sinne keine Ansprüche haben und Seele befriedigt.“ Twelve Years with Mary Baker Eddy von Irving C. Tomlinson, S. 156;
Sie, die das Heim als den Mittelpunkt der Neigungen so wert hielt, umfing die ganze Menschheit mit ihrer grenzenlosen Liebe. Ihre treuen Nachfolger können einen wirklichen Beitrag zur Befreiung der Menschheit vom Bösen liefern, indem sie die Heiligkeit und Beständigkeit ihres eigenen Heims schützen und alle Menschen überall durch die Liebe, die es ausstrahlt, segnen. Sie können keinen größeren Beitrag zum universalen Fortschritt leisten, als ihre Kinder zu Weltbürgern zu erziehen und in ihnen den Wunsch zu wecken, die Brüderschaft der Menschen praktisch zu demonstrieren. Dann wird die biblische Verheißung erfüllt werden: „So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen.“ Eph. 2:19.
