Als Mose die Kinder Israel ermahnte, den Gesetzen ihres Gottes zu gehorchen, beschrieb er ihnen die schrecklichen Folgen, die jeder Ungehorsam gegen diese Gesetze mit sich bringen würde, wie auch den reichen Lohn für Gehorsam. Er faßte das Wesentliche seiner Ausführungen in den denkbar einfachsten Worten zusammen: „Ich nehme Himmel und Erde heute über euch zu Zeugen: Ich habe euch Leben und Tod, Segen und Fluch vorgelegt, damit du das Leben erwählst und am Leben bleibst, du und deine Nachkommen.“ 5. Mose 30:19;
Niemand wäre in bezug auf seine Wahl zwischen diesen beiden Extremen im Zweifel, aber im täglichen Leben bietet sich uns die Wahl selten in solch radikaler, unkomplizierter Form dar. Oft müssen wir zwischen Handlungsweisen entscheiden, die für den materiellen Sinn zunächst nicht allzu verschieden voneinander erscheinen. Demzufolge wird die Wahl so schnell getroffen, daß sie nicht das Ergebnis sorgfältiger Entscheidung zu sein scheint, sondern nur unsere natürliche Reaktion auf die unterschiedlichen Forderungen und Situationen, die unseren Tag ausfüllen. Und doch zeigen unsere Entscheidungen, so unbedeutend sie auch manchmal erscheinen, die Richtung an, in der wir uns bewegen.
Da es im Grunde genommen das Ziel der Christlichen Wissenschaft ist, uns geistig voranzuhelfen, das heißt weg von den trügerischen Vorstellungen von intelligentem Bösen und lebender Materie, müssen wir uns darüber klarsein, daß jede Entscheidung oder Wahl, die wir treffen, sei sie nun groß oder geringfügig, jeder Gedanke, jeder Antrieb, jedes Gefühl, das wir akzeptieren, uns entweder von dem Mesmerismus der materiellen Wirklichkeit hinweg- oder tiefer hineinführt.
Mit geistigem Scharfblick schreibt unsere inspirierte Führerin Mrs. Eddy über diesen Gegenstand in dem Artikel „Die Wiedergeburt“: „Zwischen den zentripetalen und zentrifugalen mentalen Gewalten der materiellen und geistigen Schwerkräfte bewegen wir uns entweder in Materialität und Sünde hinein oder aus ihnen heraus und wählen so unsere Bahn und ihr Ziel. Was sollen wir also wählen — das Sündige, Materielle und Vergängliche oder das Geistige, Freudespendende und Ewige?“ Vermischte Schriften, S. 19; Hieraus geht hervor, daß die richtige Wahl zwischen Gedanken und Fingerzeigen nur durch wachsame Übung des geistigen Sinnes — der Fähigkeit, die das geistig Gute erkennt — und völlige Bereitschaft, seine Führung zu akzeptieren, getroffen werden kann.
Die Fragen, die wir uns stellen müssen, wenn wir der Notwendigkeit gegenüberstehen, zwischen möglichen Zielen oder Handlungen zu wählen, sind also nicht: Was ist vorteilhafter für mich? oder einfach: Was ist das Diplomatischere oder in materieller Hinsicht das Praktischere für mich?, sondern vielmehr: Wird mich das, was mich im Augenblick mehr anspricht, zum Geistigen hinführen oder tiefer in den Irrgarten des materiellen Sinnes hinein? Hält es mir nur das Lockmittel schnellen materiellen Gewinns vor, oder trägt es die wahre Verheißung geistigen Wachstums in sich? Kurz, welcher Weg wird es mir ermöglichen, meinen geistigen Standpunkt aufrechtzuerhalten, indem er mir hilft, Gott und daher meinen Mitmenschen wirklich zu dienen?
Die Wahl, die ein Christlicher Wissenschafter trifft, wird sich auf die Antworten stützen, die er sich tief im Innern auf diese grundlegenden Fragen gibt. Seine Entscheidungen mögen manchmal diejenigen, die eine Situation von einem rein materialistischen Standpunkt aus betrachten, in Erstaunen setzen. Aber ein Christlicher Wissenschafter ist sich darüber klar, daß jede Entscheidung, die er trifft, sei sie auch noch so geringfügig, ihn entweder auf der geistigen Stufenleiter aufwärtsführen oder seinen Fortschritt in der Demonstration der göttlichen Liebe als dem einzigen unendlichen Urquell und aktiven Geber alles Guten hindern wird.
Angesichts der Suggestionen des materiellen Sinnes zu lange zu zögern und zaghaft anstatt entschlossen daran zu gehen, sie zu verwerfen, heißt eine Drachensaat säen, die später zu einer schmerzlichen Ernte an Fehlschlägen und zwecklosem Bedauern führen könnte. Jedes Nachgeben gegenüber dem materiellen Sinn oder Mangel an Entschlossenheit, den geistig richtigen Kurs zu wählen, könnte zu einer Neigung werden, der trügerischen Führung des kurzsichtigen materiellen Sinnes zu folgen.
Wenn das Denken für die Weisungen des göttlichen Gemüts völlig aufgeschlossen ist, können wir gewiß sein, die richtige Idee klar zu erkennen. Aber darum zu beten, daß uns die richtige Wahl in den kleinen und großen Dingen des Lebens offenbart werden möge, genügt nicht; wir müssen die rechte Wahl in unserem Leben dadurch veranschaulichen, daß wir ihr folgen. Mrs. Eddy schreibt: „Wir müssen beten, ohne Unterlaß‘. Solches Gebet wird in dem Maße erhört, wie wir unsere Wünsche in die Tat umsetzen. Des Meisters Weisung lautet, wir sollen im Verborgenen beten und unser Leben unsere Aufrichtigkeit bezeugen lassen.“ Wissenschaft und Gesundheit, S. 15;
Weil sich der Christliche Wissenschafter sicher ist, daß dem viel Gutes zuteil werden wird, der verständnisvoll auf die geistige Führung des göttlichen Gemüts lauscht und sich dessen hohe Motive zu eigen macht, mag er gelegentlich versucht sein, einen Freund, der nicht Christlicher Wissenschafter ist, zu drängen, den Kurs zu wählen, dem er selbst folgen würde. Der ehrliche gute Wille, der diesen Wissenschafter veranlaßt, seinem Freund seinen eigenen geistigen Standpunkt zu unterbreiten, ist verständlich. Er tut jedoch gut daran, sich klarzumachen, daß eine wissenschaftliche Entscheidung, wenn sie einmal getroffen worden ist, von geistig erleuchtetem Denken gestützt werden muß und von solchen Wahrheitserklärungen, wie sie die auf die Entscheidung folgende Entwicklung von Zeit zu Zeit erfordern mag.
Da es dem Nicht-Wissenschafter am Verständnis der Christlichen Wissenschaft fehlt, das uns Vertrauen auf die erhabene Weisheit und das Allwirken des Christus, der Wahrheit, verleiht, mag er die Segnungen seiner Entscheidung, die über sein Verständnis, seine Erfahrung und innere Überzeugung hinausging, nicht ernten. Es ist richtig, jemanden, der eine Bereitwilligkeit zu lauschen zeigt, auf das höhere Ziel hinzuweisen, ihm gegenüber unsere tiefe Überzeugung auszudrücken, daß Gott, die göttliche Liebe, die Macht hat, diejenigen, die Ihm dienen, zu belohnen, und es auch tut. Es ist jedoch am besten, wenn wir anderen unsere Überzeugung nicht zu stark aufzudrängen suchen, denn geistige Überzeugung ist das Ergebnis geistigen Wachstums, nicht eigenwilliger Überredung.
Wenn wir versuchen, den Blick eines anderen aufwärtszulenken, wollen wir der Worte unserer Führerin gedenken: „Zwei Dinge kann uns das Geschick nicht rauben, nämlich das Beste zu wählen und anderen zu helfen, es auch zu wählen. Aber indem der Meister dies tat, wurde er zum Diener. Das Erhabene muß sich zum Niedrigen hinunterbeugen.“ The First Church of Christ, Scientist, and Miscellany, S. 165.
Täglich, stündlich müssen wir wählen, wem wir dienen wollen — dem weitreichenden Ziel, das Gott für uns gesetzt hat, oder den selbstischen Impulsen des Mammons der materiellen, falschen Auffassung vom Guten. Es mag jedoch Zeiten geben, wo wir scheinbar zwischen zwei Übeln zu wählen haben. Sollten wir uns einfach damit zufrieden geben, das geringere von beiden zu wählen? Nein, denn diese materielle Auffassung zugeben hieße zugeben, daß das Gute abwesend sei, wohingegen dessen ewige Gegenwart und die Möglichkeit, es zu demonstrieren, untrennbare Kundwerdungen des Universums Gottes sind.
Die Christliche Wissenschaft teilt das Verständnis dieser Wahrheit mit und erfüllt die Verheißung: „... damit du das Leben erwählst und am Leben bleibst, du und deine Nachkommen.“ Unsere Führerin bestätigt die Einfachheit und Wahrheit dieser gewaltigen Verheißung, indem sie in ihrem Buch Die Einheit des Guten erklärt, daß, wenn die Sterblichen bereitwillig Gott wählen und Ihm dienen wollen, Er für sie Alles-in-allem sein wird.
