
Editorials
In allen Zweigen der Wissenschaft dringt unsre Zeit immer mehr auf wissenschaftliche Genauigkeit, und es ist das gewiß sehr gut. Christian Scientisten erkennen gerne alle wertvollen Beiträge zur Weltkenntnis an, die dadurch geliefert wurden, daß man beim Studieren und bei der Arbeit auf wissenschaftlicher Genauigkeit bestanden hat.
Heutigestags , wo so viel über Mäßigkeit gesprochen wird und so viel in dieser Hinsicht geschieht, hört man häufig die Frage: „Fördert denn Christian Science die Mäßigkeit?” Es hat bisweilen den Anschein, als solle mit dieser Frage beim Publikum der Eindruck hervorgerufen werden, als ob die Kirche Christi, des Scientisten, als eine religiöse Organisation nach dieser Richtung hin zur Förderung der menschlichen Wohlfahrt garnichts beitrage, da sie weder Wohltätigkeitsanstalten gegründet noch gemeinschaftliche Schritte unternommen habe, um dieser besonderen Erscheinungsart der Krankheit oder der Sünde entgegenzutreten. Daß man aber zu einem derartigen Schluß nicht gelangen kann, wenn man die Arbeit in Betracht zieht, welche täglich von jedem einzelnen Christian Scientisten geleistet wird, ist aus den vielen Zeugnissen über die Heilung der Trunksucht ersichtlich, die in den Mittwochabend-Versammlungen abgegeben werden oder in den Zeitschriften erscheinen.
Ein als bloße Annahme bestehender Windstoß des Bösen in dieser bösen Welt ist die dunkle Stunde, welche der Dämmerung vorangeht. Dieser Windstoß bläst den Tand des Irrglaubens hinweg, denn es gibt in Wirklichkeit kein Übel, keine Krankheit, keinen Tod; und der Christian Scientist, der wähnt daß er stirbt, gewinnt einen reichen Segen durch das Nichtglauben an den Tod und gelangt zu einer höheren Verwirklichung des Himmels.
Es ist vor allem nötig, daß die Christian Scientisten von den Lehren ihres Textbuches „Science and Health“ praktischen Gebrauch machen; und als ersten Schritt in dieser Richtung sollten sie in diesem Buch auf Seite 410 nachlesen und über Mrs. Eddys Worte nachsinnen: „Die praktische Anwendung der Christian Science beginnt mit Christi Grundton der Harmonie: ‚Fürchtet euch nicht!‘” Ferner werden sie auf Seite 192 den Ausspruch finden: „Das Übel ist keine Macht.
Wer die zehn Gebote studiert, wie dieselben im zwanzigsten Kapitel des 1. Buchs Mosis aufgezeichnet sind, wird finden, daß gleich zu Beginn der Grund angegeben wird, warum die göttliche Autorität, welche Gehorsam verlangt, anerkannt werden sollte, denn es heißt da: „Ich bin der Herr, dein Gott, der ich dich aus Ägypten, aus dem Diensthause geführt habe.
Wie groß auch immer das Vertrauen sein mag, das die verschiedenen medizinischen Schulen auf ihre Heilmittel und deren vermeintliche Wirkung setzen — eins müssen sie alle zugeben: sie haben keine Philosophie betreffs des Verhältnisses zwischen Ursache und Wirkung. Was die Beobachtung und Anordnung der Erscheinungen menschlicher Erfahrung betrifft, so kann ihr Verfahren wissenschaftlich genannt werden; jedoch in Bezug auf den ursächlichen Zusammenhang haben sie keine vernunftgemäße Erklärung.
Die Redakteure unsrer Zeitschriften werden oft ersucht, über diesen oder jenen Gegenstand einen Artikel erscheinen zu lassen, und gewöhnlich denken ihre Korrespondenten, die Gewährung ihres Wunsches sei zur Förderung der Christian Science Sache an einem bestimmten Ort unbedingt notwendig. Obgleich nun die Redakteure gerne zu solchen Dienstleistungen bereit sind, so sollte man dennoch nicht erwarten, daß sie alle derartigen Wünsche oder auch nur einen beträchtlichen Teil derselben erfüllen werden.
Erst vor wenigen Jahren weigerten sich unsre Kritiker zuzugeben, daß Christian Science Krankheiten heilen könne, oder daß jemand nach diesem oder nach irgendeinem andern System, welches keine Arzneien und keine Lanzette in Anwendung bringt, heilen könne. Heutigestags geben bereits viele dieser Kritiker zu, man könne manche Arten von Krankheiten auf diesem Wege heilen; sie erheben jedoch Einwand, wenn behauptet wird, diese Heilung sei christlich.
Wenn es wahr ist, daß ein Mensch durch das Erkennen und Bekennen seiner Fehler den vorbereitenden Schritt zur höheren Erkenntnis tut, so stehen die protestantischen Pastoren im allgemeinen vor dem Sonnenaufgang besserer Dinge, denn der Freimut, mit welchem sie ihre eignen Fähigkeiten und Leistungen kritisieren, ist sehr bemerkenswert. Innerhalb wie außerhalb der geistlichen Kreise erörtert man gegenwärtig die Frage, inwieweit die theologischen Seminare verantwortlich seien für die Unfähigkeit der Theologen, den Ansprüchen unsrer Zeit Genüge zu tun.
Das Hauptthema im Neuen Testament ist das Überwinden. In der Offenbarung Johannis erreicht dasselbe seinen höchsten Ausdruck in den Worten: „Und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das erste ist vergangen.