Das menschliche Denken hat sich so sehr an die Begrenzungen der Zeit gewöhnt, daß das Nachdenken über die Ewigkeit eine Erfahrung darstellt, die immer eine gewisse Scheu hervorruft. Selbst wenn man bereit ist zuzugeben, daß das Gute niemals endet, mag es immer noch schwierig sein, die Tatsache zu begreifen, daß es niemals begonnen hat. Und doch ist dies unbedingt wahr, da Gott ewig existiert, und der ewige Ausdruck Seines Wesens den Menschen und das Universum ausmacht.
Die Christliche Wissenschaft lehrt, daß Gott Allgegenwart, Allmacht und Allwissenheit ist. Fragen wir uns jemals — wann? Er ist jetzt schon allgegenwärtig. Dann sind also Furcht, Mangel, Schmerz, das Böse ganz bestimmt nicht jetzt gegenwärtig. Gott ist heute schon allmächtig. Daher gibt es in Wirklichkeit keine widerstreitenden Mächte, keine zerstörenden Kräfte, nichts was rauben, lähmen oder töten könnte. Gott ist allwissend in dieser gegenwärtigen Ewigkeit. Was Er weiß, ist Seine eigene Güte, die Vollkommenheit Seiner Schöpfung und Seine eigene erhabene Regierung des Universums. Daher kennt der Mensch, welcher der wahre Ausdruck des göttlichen Gemüts ist, auch die Allheit des Guten.
Wenn Christus Jesus sagte (Luk. 17:21): „Das Reich Gottes ist inwendig in euch“, so sagte er uns einfach damit, daß das Bewußtsein der vollkommenen Harmonie die gegenwärtige Wirklichkeit vom Sein des Menschen ist. Dieses Himmelreich, das inwendig im Menschen ist, schließt die Fülle der Freude und Gesundheit in sich; denn sonst wäre es nicht Himmel.
Als Moses die göttliche Offenbarung empfing, die ihm sagte, daß er die Kinder Israel aus der Knechtschaft der Ägypter befreien sollte, gewahrte er Gott als den: ich werde sein, der ich sein werde.
Da Gott, die Seele, der ich-werde-sein ist, muß Gesundheit, als Eigenschaft der Seele, gegenwärtig und ausgedrückt sein — nicht etwas Fernliegendes. Der Meister verstand diese Wahrheit und wendete sie praktisch an, um die Bedürfnisse der Menschheit zu befriedigen. Er heilte alle Arten von Krankheit durch das Wissen, daß der Mensch immer die Attribute der Seele ausdrückt. Er weckte die Toten auf durch die Kraft dieser gleichen geistigen Erkenntnis; denn er sah den Menschen nicht als in der Materie lebend und sterbend, als beginnend und endend.
Jesus ließ sich nicht durch den falschen Augenschein täuschen, der da sagte, das Leben sei verloren und bedürfe der Wiedergewinnung. Er wußte, daß Gott das Leben ist und daß das Leben daher der ich-werde-sein ist — die gegenwärtige und ewige Wirklichkeit; und er wußte, daß der Mensch der Beweis dieser Wirklichkeit ist. Das löschte die menschlichen Bedingungen aus, die scheinbar von der Abwesenheit des Lebens zeugten. Jesus wußte, daß der Tod niemals etwas mehr war als eine Illusion, und das erleuchtete Verständnis der Wahrheit verscheuchte die Illusion.
Politiker und Wirtschaftler mögen uns sagen, daß Frieden und wirtschaftliche Stabilität weit in der Zukunft liegen. Das mag scheinbar der Stand der Dinge sein, wenn die Menschen die Zustände nach dem materiellen Sinnenzeugnis beurteilen. Wenn wir aber den Menschen durch die Linse der Christlichen Wissenschaft betrachten, wenn wir ihn sehen, wie Gott ihn geschaffen hat, dann wissen wir, daß seine Tätigkeiten durch das Wirken der göttlichen Wirtschaft regiert werden, in der es keine Verschwendung, keinen Mangel, keine Untüchtigkeit und keine Fehler gibt.
Die unendliche Weisheit Gottes, die ihren Ausdruck in dieser geistigen Wirtschaft findet, ist unwandelbar und zuverlässig; darin gibt es kein Aufeinanderfolgen von Zuviel und Zuwenig, sondern Angebot und Nachfrage sind immer ausgeglichen.
In ihrem Artikel „Seedtime and Harvest“ (Saatzeit und Ernte) in „Unity of Good“ (Die Einheit des Guten) stellt Mary Baker Eddy fest (S. 11): „Jesus bedurfte weder der Zeit- noch der Gedankenkreisläufe, um zur Tauglichkeit für die Vollkommenheit und deren Möglichkeiten heranzureifen. Er sagte, das Himmelreich sei hier und im Gemüt eingeschlossen; und wenn ihr sagt:, Es sind noch vier Monate und dann kommt die Ernte‘, sage ich: Hebt die Augen auf, schlagt sie nicht nieder, denn eure Felder sind schon weiß zur Ernte; und sammelt die Ernte geistig ein, und nicht mit materiellen Verfahren.“ Der wahre Begriff von Kreisläufen, den uns unsere Führerin in ihren Schriften gibt, zeigt uns, wie wir uns selbst befreien können von den Begrenzungen, die der Glaube des sterblichen Gemütes an Aufeinanderfolge von wechselndem Guten und Bösen schafft.
Die Erkenntnis, daß die Ewigkeit gegenwärtig ist, erweckt uns zu der Wahrnehmung der Wahrheit, daß alles, was es an Freiheit, Stärke, geistigem Sehen und Harmonie gibt, in der heutigen Erfahrung des wirklichen Menschen zum Ausdruck kommt. Der geistige Mensch braucht weder eine unharmonische Erfahrung durchzumachen, um zur Reife zu gelangen, noch eine Zeit nachlassender Gesundheit und Intelligenz zu erdulden.
Da es wahr ist, daß Gott immerdar vollkommen ist, muß es wahr sein, daß der Mensch diese Vollkommenheit ununterbrochen widerspiegelt. Er kann weder jung noch alt sein, denn er ist der Ausdruck des zeitlosen Seins.
Mrs. Eddy beschreibt das Menschentum folgendermaßen (Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift, S. 246): „Die strahlende Sonne der Tugend und der Wahrheit besteht zugleich mit dem Sein. Ihr ewiger Mittag, der von keiner sinkenden Sonne verdunkelt wird, ist das Menschentum.“ Wahres Menschentum kennt weder eine allmähliche Annäherung an das Licht der Intelligenz und Vollkommenheit noch ein Zurückgehen davon.
Der Mittag kennzeichnet die volle Helle und Klarheit des Wissens, in der es keine Dunkelheit der Unwissenheit oder des Zweifels gibt; er stellt sinnbildlich das Licht dar, das keine dunklen Ecken zurückläßt, in denen das Böse unbeachtet wirken könnte. Der Mittag symbolisiert die strahlende Wärme von Gottes Liebe.
Wenn wir diese Wärme fühlen, können wir nicht die Kühle der Einsamkeit oder der unbefriedigten Sehnsucht erleben. Keine Kälte der Gleichgültigkeit kann von uns, noch von andern uns gegenüber, ausgedrückt werden, sondern wir haben die freudige Empfindung, daß wir von der göttlichen Liebe zärtlich geliebt, anerkannt, unterstützt und mit der Fülle des Guten versorgt werden.
Geistige Reife ist der Ausdruck von Ernte, von Erfolg und Erfüllung. Ewiges Dasein auf dem Standpunkt von des Menschentums vollem Mittag der Stärke und Herrschaft kennt kein unglückliches Sehnen nach Jugend; denn des Menschen geistige Selbstheit ist völlig befriedigt — es ist des Menschen volle Bekundung von Gottes Herrlichkeit.
Der Tag, wie er in der Christlichen Wissenschaft verstanden wird, ist keine begrenzte Zeitspanne, sondern die Offenbarung göttlichen Lichtes. Tage, die in Gehorsam gegen Gott verbracht werden, können niemals als Ergebnis nachlassende Kräfte, geschwächte Fähigkeiten oder verwirrtes Denken nach sich ziehen, sondern müssen eine neue Erkenntnis von unerschöpflicher Lebenskraft und Tüchtigkeit als Widerspiegelungen des Gemüts erbringen.
Um zu verstehen, daß die Annahmen des Alterns unwirklich sind, müssen wir uns weigern, ihren Ursprung anzuerkennen — den Glauben an materielle Geburt. Mrs. Eddy sagt uns (ebd., S. 550): „Wenn Leben überhaupt irgendeinen Ausgangspunkt hat, dann ist der große Ich bin eine Mythe.“ Die geistige Individualität des Menschen hat keinen Anfang. Der Mensch hat immer mit Gott zusammen bestanden, und es hat keine Zeit gegeben, in welcher der Mensch nicht existiert hat.
Altern ist eine Annahme von Ansammlung, von angesammelten Jahren materieller Geschichte, Besitztümern und menschlichen Erinnerungen. Die Tendenz des Alterns besteht darin, diese menschlichen Erinnerungen noch einmal zu durchleben, dabei immer rückwärts schauend.
Die Christliche Wissenschaft lehrt, daß wir mehr Jahre genießen werden, als die menschliche Annahme im allgemeinen den Menschen zuteilt, und daß unser Leben fortfahren wird, Stärke und Frische auszudrücken — wenn wir aufhören, das Gute und Schöne in unserem Leben zu begrenzen. Wir werden vorwärts schauen in ständiger Erwartung von neuem sich entfaltendem Guten und werden erkennen, daß jede Erfahrung uns mehr von Gottes Liebe und Güte offenbaren wird.
Der Mensch, der ewig mit Gott zusammen besteht, hat keine materielle Vergangenheit, nach der er sich sehnt oder die er bedauert. So ist er frei, er selbst zu sein, Gottes erhabener Ausdruck. Jemand, der sich diese Wahrheiten vergegenwärtigt, wird niemals gelähmt durch die Annahme, daß eine vergangene Sünde oder ein Unfall oder eine Zeit falscher Erziehung seine gegenwärtigen Erfahrungen beeinträchtigen kann. Gott ist in aller Ewigkeit der Allerhöchste, und das schließt die Möglichkeit aus, daß es eine Vergangenheit oder Zukunft gibt, in der das Böse Herrscher ist.
Es ist für uns von unermeßlichem Segen, Gottes Wesen als den ich-werde-sein zu verstehen, was Ihn als das unendliche Höchste Wesen, die eine Selbst-Existenz, das Alles-in-allem offenbart. Der biblische Bericht von der geistigen Schöpfung, der im ersten Kapitel des 1. Buches Mose erscheint, sagt uns, daß der Mensch zum Bild und Gleichnis Gottes erschaffen wurde.
Daraus ersehen wir, daß der Mensch der Ausdruck des ich-werde-seins ist; sein Wesen und Sein ist die Widerspiegelung des göttlichen Höchsten Wesens. Der Name ich-werde-sein ist eine Form der Gegenwart. Alles Gute ist eine gegenwärtige Wirklichkeit für den Menschen, denn das Gute ist Gott. Und diese Wirklichkeit dauert von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Wir brauchen auf die Segnungen Gottes, die Er uns schon geschenkt hat, nicht zu warten. Wenn wir zur Erkenntnis ihrer ununterbrochenen Fortdauer erwachen, können wir uns ihrer heute schon erfreuen.
